»Darum soll man es eben, großer König, je nach dem Umstand beurtheilen, oh es bloßes Gerede ist unter den Leuten: ›Die Priester nur sind höchste Kaste, verworfen andere Kaste; die Priester nur sind helle Kaste, dunkel andere Kaste; die Priester nur können rein werden, nicht Unpriester; die Priester sind Brahmās Söhne, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in Brahmā gezeugt, in Brahmā gebildet, Erben Brahmās.‹«
Nach diesen Worten wandte sich König Madhuro von Avanti also an den ehrwürdigen Mahākaccāno:
»Vortrefflich, o Kaccāno, vortrefflich, o Kaccāno! Gleichwie etwa, o Kaccāno, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder ein Licht in die Finsterniss hielte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Kaccāno die Lehre gar vielfach gezeigt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Kaccāno Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: {430} als Anhänger möge mich Herr Kaccāno betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
»Nicht bei mir, großer König, wolle du Zuflucht nehmen: sondern bei Ihm, dem Erhabenen, nimm Zuflucht, bei dem ich Zuflucht genommen.«
»Wo aber, o Kaccāno, weilt Er jetzt, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte?«
»Erloschen ist Er nun, großer König, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte.«
»Wenn wir da hörten, o Kaccāno, Er, der Erhabene, sei dreißig Meilen fern, so würden wir eben dreißig Meilen wandern, Ihn, den Erhabenen zu sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten. Wenn wir da hörten, o Kaccāno, Er, der Erhabene, sei sechzig Meilen fern, sei neunzig Meilen, hundertzwanzig Meilen, hundertfünfzig Meilen fern, so würden wir eben hundertfünfzig Meilen wandern, Ihn, den Erhabenen zu sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten. Und wenn wir da hörten, o Kaccāno, dreihundert Meilen sei Er, der Erhabene, fern, so würden wir eben dreihundert Meilen wandern, Ihn, den Erhabenen zu sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten. Weil nun aber, o Kaccāno, Er, der Erhabene, erloschen ist, so nehmen wir eben bei Ihm, dem Erhabenen, der erloschen ist, unsere Zuflucht, und bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Kaccāno betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[165]
85.
Neunter Theil