»So ist es, Brāhmane, so ist es, Brāhmane. Was einem lieb ist, Brāhmane, giebt ja Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt. Darum muss man es eben, Brāhmane, je nach dem Umstand beurtheilen, wie da was einem lieb ist Wehe und Jammer giebt, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt. {480} Eines Tages, Brāhmane, war eben hier zu Sāvatthī irgend einem Weibe die Mutter gestorben. Durch deren Tod irrsinnig, geistesverstört geworden lief sie von Straße zu Straße, von Markt zu Markt und schrie: ›Habt ihr nicht meine Mutter gesehn, habt ihr nicht meine Mutter gesehn?‹ Darum soll man es eben, Brāhmane, je nach dem Umstand beurtheilen, wie da was einem lieb ist Wehe und Jammer giebt, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.
»Eines Tages, Brāhmane, war eben hier zu Sāvatthī irgend einem Weibe der Vater gestorben — war der Bruder, die Schwester gestorben — war der Sohn, war die Tochter gestorben — war der Gatte gestorben. Durch dessen Tod irrsinnig, geistesverstört geworden lief sie von Straße zu Straße, von Markt zu Markt und schrie: ›Habt ihr nicht meinen Gatten gesehn, habt ihr nicht meinen Gatten gesehn?‹ Darum soll man es eben, Brāhmane, je nach dem Umstand beurtheilen, wie da was einem lieb ist Wehe und Jammer giebt, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.
»Eines Tages, Brāhmane, war eben hier zu Sāvatthī irgend einem Manne die Mutter gestorben — war der Vater gestorben {481} — war der Bruder, die Schwester gestorben — war der Sohn, war die Tochter gestorben — war die Frau gestorben. Durch deren Tod irrsinnig, geistesverstört geworden lief er von Straße zu Straße, von Markt zu Markt und schrie: ›Habt ihr nicht meine Frau gesehn, habt ihr nicht meine Frau gesehn?‹ Darum soll man es eben, Brāhmane, je nach dem Umstand beurtheilen, wie da was einem lieb ist Wehe und Jammer giebt, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.
»Eines Tages, Brāhmane, war eben hier zu Sāvatthī irgend ein Weib zu Verwandten ins Haus gekommen. Und die Verwandten verboten dieser, mit ihrem Gatten zu leben, wollten sie einem anderen vermählen: sie aber mochte den nicht. Und sie beschwor ihren Mann: ›Diese Verwandten, o Gemahl, reißen mich von dir und wollen mich einem anderen vermählen: ich aber mag den nicht!‹ Und der Mann gab seinem Weibe den Tod und entleibte sich selbst: ›Gestorben werden wir beisammen sein!‹ Darum soll man es eben, Brāhmane, je nach dem Umstand beurtheilen, wie da was einem lieb ist Wehe und Jammer giebt, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.«
Und Nāḷijaṉgho der Brāhmane, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand auf und begab sich zu Mallikā der Königin zurück und berichtete Wort für Wort das ganze Gespräch, das der Erhabene mit ihm gepflogen. Und Königin Mallikā ging nun zu König {482} Pasenadi von Kosalo hin und sprach also:
»Was meinst du wohl, großer König: hast du deine Tochter Vajīrī lieb?«
»Gewiss, Mallikā, hab’ ich meine Tochter Vajīrī lieb.«
»Was meinst du wohl, großer König: wenn deiner Tochter Vajīrī etwas verschlüge, etwas geschähe, würdest du da Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung empfinden?«
»Wenn, Mallikā, meiner Tochter Vajīrī etwas verschlüge, etwas geschähe, könnt’ es auch um mein Leben geschehn sein: wie sollt’ ich da etwa nicht Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung empfinden!«
»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Was einem lieb ist giebt Wehe und Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, was von Liebem kommt.‹ — Was meinst du wohl, großer König: hast du die Fürstin Vāsabhā lieb?«