»Es sind hier, Priester, Sitze bereit: wenn du willst setze dich.«

»Das eben haben wir ja von Herrn Udeno erwartet, bevor wir uns setzen: denn wie könnte wohl meinesgleichen daran denken, uneingeladen Platz zu nehmen?«

Und Ghoṭamukho der Priester nahm einen von den niederen Stühlen zur Hand und setzte sich seitwärts hin. Seitwärts sitzend sprach nun Ghoṭamukho der Priester also zum ehrwürdigen Udeno:

»Lieber Mönch, es giebt keinen ächten Asketen: das ist meine Ansicht; und zwar darum, weil ich keine solchen Ehrwürdigen gesehn habe, oder weil es eben so ist.«

{556} »Wenn du mir da, Priester, zugestehn magst was zugegeben werden kann, und abweisen was abgewiesen werden muss, und was du vom Sinn meiner Rede nicht verstehst eben da von mir weiter erfragen wirst, ›Wie ist das, o Udeno, was ist der Sinn davon‹: wenn du das thun willst, so mag da unter uns ein Gespräch statthaben.«

»Was zugegeben werden kann werd’ ich Herrn Udeno zugestehn, und abweisen was abgewiesen werden muss, und was ich da vom Sinn der Rede Herrn Udenos nicht verstehe werd’ ich eben da von Herrn Udeno weiter erfragen, ›Wie ist das, o Udeno, was ist der Sinn davon‹: das will ich thun, möge da unter uns ein Gespräch statthaben!«

»Vier Arten von Menschen, Priester, finden sich hier in der Welt vor: welche vier? Da ist, Priester, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben; da ist wieder, Priester, einer ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Priester, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; und da ist, Priester, einer weder ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen. Welcher ist es, Priester, von diesen vier Menschen, der deinem Sinne zusagt?«

{557} »Jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, der sagt meinem Sinne nicht zu; und auch jener Mensch, o Udeno, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergehen ist, auch der sagt meinem Sinne nicht zu; und auch jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, auch der sagt meinem Sinne nicht zu; aber jener Mensch, o Udeno, der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: der sagt meinem Sinne zu.«

»Warum aber, Priester, sagen jene drei Menschen deinem Sinne nicht zu?«

»Jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, der lässt sich selber, der Wohl begehrt und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o Udeno, der ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, der lässt den Nächsten, der Wohl begehrt und Wehe verabscheut, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; und jener Mensch, o Udeno, der ein Selbstquäler, der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, und ein Nächstenquäler, der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist, der lässt sich wie den Nächsten, die Wohl begehren und Wehe verabscheuen, Quaal und Pein erleiden: darum sagt jener Mensch meinem Sinne nicht zu; aber jener Mensch, o Udeno, {558} der weder ein Selbstquäler, nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben ist, noch ein Nächstenquäler, nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben ist: der ohne Selbstquaal, ohne Nächstenquaal schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden ist, sich wohlfühlt, heilig geworden im Herzen: weil der weder sich noch den Nächsten, die Wohl begehren, und Wehe verabscheuen, Quaal und Pein erleiden lässt, darum sagt dieser Mensch meinem Sinne zu.«