»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: Entsagung erklären sie davon als am wirksamsten, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben.«
»Was meinst du wohl, Brāhmane: es habe da irgend ein Priester eine große Opferfeier vorbereitet, und es kämen zwei andere Priester heran: ›Wir wollen dem Opferfeste dieses Priesters beiwohnen.‹ Und der eine der beiden gedächte bei sich: ›Ach dass mir doch bei dem Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zufiele, und nicht etwa einem anderen Priester!‹ Möglich, Brāhmane, dass einem anderen Priester beim Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zugetheilt werde, und nicht ihm. Und er würde erbittert und missvergnügt: {638} ›Ein anderer Priester hat beim Mahle den besten Sitz, das beste Wasser, den besten Bissen erhalten, nicht ich!‹ Was geben nun wohl, Brāhmane, die Priester als Vergeltung dafür an?«
»Nicht reichen ja, o Gotamo, die Priester also Almosen: ›Dadurch soll der Nächste erbittert und missvergnügt werden‹, sondern sie reichen, o Gotamo, eben aus Mitleid Almosen.«
»Ist es also, Brāhmane, so haben die Priester diesen sechsten Anlass Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«
»Also ist es, o Gotamo, dass die Priester diesen sechsten Anlass haben Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«
»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: wo hast du diese zumeist angetroffen, bei Hausleuten oder bei den Pilgern?«
»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, {639} wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz und gar der Buße, der Keuschheit, der Andacht, der Entsagung zugethan. Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten.«
»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch wahrhaftig, und ›Ich bin wahrhaftig‹ weiß er und gewinnt Verständnis des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll, und er weiß es und gewinnt Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet.«
Nach diesen Worten wandte sich Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, also an den Erhabenen:
»Reden hab’ ich hören, o Gotamo: ›Der Asket Gotamo kennt den Weg, {640} der zu Brahmā führt.‹«