[178] Den ersten, im Wesentlichen schon ganz übereinstimmenden Bericht vom Leben Gotamos verdanken wir dem kühnen MARCO POLO, der es auf „Seilla“ voll Theilnahme gehört und dann — im Zeitalter DANTES — mit erstaunlicher Schlichtheit beschrieben hatte. Insbesondere erzählt er, im Texte BONIS vol. I. p. 185, von jenem Palaste mit den singenden und spielenden Mädchen, und dass der Prinz keine Freude daran finden mochte; wie er einst auf der Straße einen Todten gesehn, und wieder einen schlotternden, zahnlosen Greis; wie er tiefsinnig zum Palaste zurückgekehrt, voll Ekel an einer Welt wo man altern und sterben müsse, und gesagt habe, »che voleva cercare quello che mai non moriva, nè non invecchiava«, genau wie es in der 26. Rede, 1. Bd. S. 308, und oben S. 441 vorgetragen ist; wie er dann endlich, nach dem ergänzenden Texte PAUTHIERS p. 592 f., heimlich bei Nacht den Palast verlassen habe, »et s’en ala aux grans montaignes et moult desvoiables«, wie 1. Bd. S. 147. »Et illec demoura moult honnestement, et moult menoit aspre vie; et fist moult grans abstinences«, oben S. 449–454. Selbst durch das Medium fremder und trüber Idiome hatte sich die zeilonesische Tradition dem feinfühlenden Zuhörer verständlich gemacht, so dass er den Inhalt der — wenn man will trivialen — Legende rein wiederzugeben vermochte. Den Bericht nach dem Texte PAUTHIERS findet man in GRÜNWEDELS soeben erschienener Mythologie des Buddhismus in Tibet und der Mongolei S. 2–4 vollständig abgedruckt.

Die sitzende Gestalt Gotamos als yogischer Büßer, in athemlose Selbstverlierung verloren, mit den einzelnen Merkmalen wie S. 453 f. dargestellt, ein seltsames Meisterstück der Skulptur des 1. Jahrh. vor Chr., befindet sich im Museum zu Lahore. Eine Phototypie davon hat SENART veröffentlicht, im Journal asiatique von 1890 zu p. 144.

Eine plastische Gruppe der jugendlich blühenden Mutter mit einem Kinde an der rechten Hüfte, als Göttin Ṣaṣṭhī śiśurakṣinī, eine wirkliche Αφροδιτη κουροτροφος von idealer Schönheit und Anmuth, ist uns im Museum zu Lahore, unter den Trümmern von Jamalgarhi aus dem 1. Jahrh. vor Chr., erhalten. Auch hiervon hat SENART eine Phototypie leicht zugänglich gemacht, im Journal asiatique von 1890 zu p. 154.

[179] aṉgula-, aṉguli-, Finger, Daumen, wird da dem häufigen aṉgulīyam, aṉgulīyakam, Fingerlein, fingerlin, vingerlinc, Fingerring, gleichzusetzen sein; vergl. das aṉgulīyapradānam im Rāmāyaṇam, den aṉgulīyopalambhas in der Śakuntalā u. a. m. Aṉgulimālo für eigentlich Aṉgulīyamālo ist nach yena so gebildet.

[180] Die Ringe der Erschlagenen.

[181] Vergl. Āpastambīyadharmasūtre I, 8, 23, 6; Theragāthā 33; Asoko, Edikt von Dhauli II, l. 7, Jaugoḍo II, 1. 10.

[182] Ahiṃsako.

[183] Aṉgulimālos Wahrspruch, satyavacanam, S. 481, ist kāryārthe śapathaḥ, svapariśuddhau; in der Smṛti e. g. bei Manus VIII, 110. Deutlicher zu reden: satyakriyā als angewandte samayakriyā. Es ist der uralte Glaube an die magische Macht der Wahrheit, wie Ṛgvedas VII, 104, 15. Später sind Ordalien daraus geworden. Vergl. BÜHLERS Grundriss II, 8, § 51–52. — Ein ziemlich nahe gegründetes, kleineres Wahrzeichen kennt die deutsche Sage vom dürren Stabe, der sich dann frisch begrünt, wie beim Tannhäuser.

Antithetisch, und zwar rein philosophisch, ist dieser tiefe, ächt ārische Gedanke zu Beginn der 61. Rede behandelt, welche Asoko bekanntlich ganz besonders empfohlen hat; und ist, vollkommen gleich, von AESCHYLUS ausgesprochen, Prom. 685 f.: