»Dem Wasser gleich, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Wasser gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden. Gleichwie man da, Rāhulo, im Wasser Reines wäscht und Unreines wäscht, Kothiges wäscht und Harniges wäscht, Schleimiges wäscht und Eiteriges wäscht und Blutiges wäscht, aber das Wasser sich davor nicht entsetzt, empört oder sträubt: ebenso nun auch, Rāhulo, {424} sollst du dem Wasser gleich Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Wasser gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden.
»Dem Feuer gleich, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Feuer gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden. Gleichwie da, Rāhulo, das Feuer Reines brennt und Unreines brennt, Kothiges brennt und Harniges brennt, Schleimiges brennt und Eiteriges brennt und Blutiges brennt, aber das Feuer sich davor nicht entsetzt, empört oder sträubt: ebenso nun auch, Rāhulo, sollst du dem Feuer gleich Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Feuer gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden.
»Der Luft gleich, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, der Luft gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden. Gleichwie da, Rāhulo, die Luft Reines anweht und Unreines anweht, Kothiges anweht und Harniges anweht, Schleimiges anweht und Eiteriges anweht und Blutiges anweht, aber die Luft sich davor nicht entsetzt, empört oder sträubt: ebenso nun auch, Rāhulo, sollst du der Luft gleich Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, der Luft gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden.
»Dem Raume gleich, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Raume gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden. Gleichwie da, Rāhulo, der Raum durch nichts begränzt wird, ebenso nun auch, Rāhulo, sollst du dem Raume gleich Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, dem Raume gleich Uebung, so kann dein Gemüth, angenehm oder unangenehm berührt, nicht erregt werden.
»Liebreich, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, liebreich Uebung, so wird was da Hass ist vergehn. Erbarmend, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, erbarmend Uebung, so wird was da Wuth ist vergehn. Freudig, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, freudig Uebung, so wird was da Unlust ist vergehn. Gleichmüthig, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, gleichmüthig Uebung, so wird was da Widerstreit ist vergehn.
»Des Ekels eingedenk, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, des Ekels eingedenk Uebung, so wird was da Reiz ist vergehn.
»Der Vergänglichkeit eingedenk, Rāhulo, sollst du Uebung üben: denn übst du, Rāhulo, der Vergänglichkeit eingedenk Uebung, {425} so wird was da Dünkel der Ichheit ist vergehn.
»Bedachtsam übe, Rāhulo, Ein- und Ausathmung: Ein- und Ausathmung, bedachtsam geübt und gepflegt, Rāhulo, lässt hohen Lohn erlangen, hohe Förderung. Wie muss aber bedachtsam, Rāhulo, Ein- und Ausathmung geübt, wie gepflegt werden, auf dass sie hohen Lohn, hohe Förderung verleihe? Da begiebt sich, Rāhulo, der Mönch ins Innere des Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Bedächtig athmet er ein, bedächtig athmet er aus. Athmet er tief ein, so weiß er ›Ich athme tief ein‹, athmet er tief aus, so weiß er ›Ich athme tief aus‹; athmet er kurz ein, so weiß er ›Ich athme kurz ein‹, athmet er kurz aus, so weiß er ›Ich athme kurz aus‹. ›Den ganzen Körper empfindend will ich einathmen‹, ›Den ganzen Körper empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Diese Körperverbindung besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Heiter empfindend will ich einathmen‹, ›Heiter empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Sälig empfindend will ich einathmen‹, ›Sälig empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedankenverbindung empfindend will ich einathmen‹, ›Die Gedankenverbindung empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken empfindend will ich einathmen‹, ›Die Gedanken empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken ermunternd will ich einathmen‹, ›Die Gedanken ermunternd will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken einigend will ich einathmen‹, ›Die Gedanken einigend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken lösend will ich einathmen‹, ›Die Gedanken lösend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich einathmen‹, ›Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich einathmen‹, ›Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Ausrodung wahrnehmend will ich einathmen‹, ›Die Ausrodung wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Entfremdung wahrnehmend will ich einathmen‹, ›Die Entfremdung wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich.
»Also muss da, Rāhulo, Ein- und Ausathmung geübt, also gepflegt werden, auf dass sie hohen Lohn, hohe Förderung verleihe. Bei also geübter, Rāhulo, also gepflegter Ein- und Ausathmung {426} gehn auch die letzten Athemzüge bewusst aus, nicht unbewusst.«