Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Rāhulo über das Wort des Erhabenen.[38]


63.

Siebenter Theil

Dritte Rede

DER SOHN DER MĀLUṈKYĀ
– I –

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da kam nun dem ehrwürdigen Māluṉkyāputto, während er einsam zurückgezogen sann, folgender Gedanke in den Sinn: ›Es giebt da manche Ansichten, die der Erhabene nicht mitgetheilt, gemieden, zurückgewiesen hat, als wie ‚Ewig ist die Welt‘ oder ‚Zeitlich ist die Welt‘, ‚Endlich ist die Welt‘ oder ‚Unendlich ist die Welt‘, ‚Leben und Leib ist ein und dasselbe‘ oder ‚Anders ist das Leben und anders der Leib‘, ‚Der Vollendete besteht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Weder besteht noch besteht nicht der Vollendete nach dem Tode‘.[39] Das hat mir der Erhabene nicht mitgetheilt. Und dass es mir der Erhabene nicht mitgetheilt hat, das gefällt mir nicht, das behagt mir nicht. So will ich denn zum Erhabenen gehn und ihn darum befragen. Wenn es mir der Erhabene mittheilen kann, so will ich beim Erhabenen das Asketenleben führen: wenn es mir aber der Erhabene nicht mittheilen kann, so werd’ ich die Askese aufgeben und zur Gewohnheit zurückkehren.‹

{427} Als nun der ehrwürdige Māluṉkyāputto gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Māluṉkyāputto also zum Erhabenen:

»Während ich da, o Herr, einsam zurückgezogen sann, kam mir folgender Gedanke in den Sinn: ›Es giebt da manche Ansichten, die der Erhabene nicht mitgetheilt, gemieden, zurückgewiesen hat, als wie ‚Ewig ist die Welt‘ oder ‚Zeitlich ist die Welt‘, ‚Endlich ist die Welt‘ oder ‚Unendlich ist die Welt‘, ‚Leben und Leib ist ein und dasselbe‘ oder ‚Anders ist das Leben und anders der Leib‘, ‚Der Vollendete besteht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‘ oder ‚Weder besteht noch besteht nicht der Vollendete nach dem Tode‘. Das hat mir der Erhabene nicht mitgetheilt. Und dass es mir der Erhabene nicht mitgetheilt hat, das gefällt mir nicht, das behagt mir nicht. So will ich denn zum Erhabenen gehn und ihn darum befragen. Wenn es mir der Erhabene mittheilen kann, so will ich beim Erhabenen das Asketenleben führen: wenn es mir aber der Erhabene nicht mittheilen kann, so werd’ ich die Askese aufgeben und zur Gewohnheit zurückkehren.‹ Wenn der Erhabene weiß ‚Ewig ist die Welt‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Ewig ist die Welt‘; wenn der Erhabene weiß ‚Zeitlich ist die Welt‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Zeitlich ist die Welt‘: wenn aber der Erhabene nicht weiß, ob die Welt ewig ist oder zeitlich ist, so geziemt es eben einem, der das nicht weiß und nicht sieht, nur ehrlich zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich seh’ es nicht.‘ Wenn der Erhabene weiß ‚Endlich ist die Welt‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Endlich ist die Welt‘; wenn der Erhabene weiß ‚Unendlich ist die Welt‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Unendlich ist die Welt‘: wenn aber der Erhabene nicht weiß, ob die Welt endlich ist oder unendlich ist, so geziemt es eben einem, der das nicht weiß und nicht sieht, nur ehrlich zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich seh’ es nicht.‘ Wenn der Erhabene weiß ‚Leben und Leib ist ein und dasselbe‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Leben und Leib ist ein und dasselbe‘; wenn der Erhabene weiß ‚Anders ist das Leben und anders der Leib‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Anders ist das Leben und anders der Leib‘: wenn aber der Erhabene nicht weiß, ob Leben und Leib ein und dasselbe oder das Leben anders und anders der Leib ist, so geziemt es eben einem, der das nicht weiß und nicht sieht, nur ehrlich zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich seh’ es nicht.‘ Wenn der Erhabene weiß ‚Der Vollendete besteht nach dem Tode‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Der Vollendete besteht nach dem Tode‘; wenn der Erhabene weiß ‚Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‘, {428} so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Der Vollendete besteht nicht nach dem Tode‘: wenn aber der Erhabene nicht weiß, ob der Vollendete nach dem Tode besteht oder nicht besteht, so geziemt es eben einem, der das nicht weiß und nicht sieht, nur ehrlich zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich seh’ es nicht‘ Wenn der Erhabene weiß ‚Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Der Vollendete besteht und besteht nicht nach dem Tode‘; wenn der Erhabene weiß ‚Weder besteht noch besteht nicht der Vollendete nach dem Tode‘, so soll mir der Erhabene mittheilen ‚Weder besteht noch besteht nicht der Vollendete nach dem Tode‘: wenn aber der Erhabene nicht weiß, ob der Vollendete nach dem Tode besteht und nicht besteht oder weder besteht noch nicht besteht, so geziemt es eben einem, der das nicht weiß und nicht sieht, nur ehrlich zu sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich seh’ es nicht.‘«