»Wie, hab’ ich denn, Māluṉkyāputto, also zu dir gesprochen: ›Komm’, o Māluṉkyāputto, führe bei mir das Asketenleben: ich will dir mittheilen, ob die Welt ewig ist oder zeitlich ist, ob die Welt endlich ist oder unendlich ist, ob Leben und Leib ein und dasselbe oder anders das Leben und anders der Leib ist, ob der Vollendete nach dem Tode besteht oder nicht besteht oder besteht und nicht besteht oder weder besteht noch nicht besteht‹?«

»Das nicht, o Herr!«

»Oder hast etwa du also zu mir gesprochen: ›Ich will, o Herr, beim Erhabenen das Asketenleben führen: der Erhabene wird mir mittheilen, ob die Welt ewig ist oder zeitlich ist, ob die Welt endlich ist oder unendlich ist, ob Leben und Leib ein und dasselbe oder anders das Leben und anders der Leib ist, ob der Vollendete nach dem Tode besteht oder nicht besteht oder besteht und nicht besteht oder weder besteht noch nicht besteht‹?«

»Das nicht, o Herr!«

»So ist klar, Māluṉkyāputto, dass weder ich dergleichen zu dir gesagt habe, noch auch du dergleichen zu mir gesagt hast. Ist es also, eitler Mann, wer bist du und wen bezichtigst du? — Wer da, Māluṉkyāputto, also spräche: ›Nicht eher will ich beim Erhabenen das Asketenleben führen, bis mir der Erhabene mitgetheilt haben wird, ob die Welt ewig ist oder zeitlich ist, ob die Welt endlich ist oder unendlich ist, ob Leben und Leib ein und dasselbe, oder anders das Leben und anders der Leib ist, ob der Vollendete nach dem Tode besteht oder nicht besteht oder besteht und nicht besteht oder weder besteht noch nicht besteht‹, dem könnte, Māluṉkyāputto, der Vollendete nicht genug mittheilen: {429} denn jener stürbe hinweg.[40]

»Gleichwie etwa, Māluṉkyāputto, wenn ein Mann von einem Pfeile getroffen wäre, dessen Spitze mit Gift bestrichen wurde, und seine Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern bestellten ihm einen heilkundigen Arzt; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich nicht weiß, wer jener Mann ist, der mich getroffen hat, ob es ein Krieger oder ein Priester, ein Bürger oder ein Bauer ist‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich nicht weiß, wer jener Mann ist, der mich getroffen hat, wie er heißt, woher er stammt oder hingehört‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich nicht weiß, wer jener Mann ist, der mich getroffen hat, ob es ein großer oder ein kleiner oder ein mittlerer Mensch ist‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich nicht weiß, wer jener Mann ist, der mich getroffen hat, ob seine Hautfarbe schwarz oder braun oder gelb ist‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich nicht weiß, wer jener Mann ist, der mich getroffen hat, in welchem Dorf oder welcher Burg oder welcher Stadt er zuhause ist‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich den Bogen nicht kenne, der mich getroffen hat, ob es der kurze oder der lange gewesen‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich die Sehne nicht kenne, die mich getroffen hat, ob es eine Saite, ein Draht oder eine Flechse, ob es Schnur oder Bast war‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich den Schaft nicht kenne, der mich getroffen hat, ob er aus Rohr oder Binsen ist‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich den Schaft nicht kenne, der mich getroffen hat, mit was für Federn er versehn ist, ob mit Geierfedern oder Reiherfedern, mit Rabenfedern, Pfauenfedern oder Schnepfenfedern‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich den Schaft nicht kenne, der mich getroffen hat, mit was für Leder er umwickelt ist, mit Rindleder oder Büffelleder, mit Hirschleder oder Löwenleder‹; er aber spräche: ›Nicht eher will ich diesen Pfeil herausziehn bevor ich die Spitze nicht kenne, die mich getroffen hat, ob sie gerade oder krumm oder hakenförmig ist[41], oder ob sie wie ein Kalbzahn oder wie ein Oleanderblatt aussieht‹: {430} nicht genug könnte, Māluṉkyāputto, dieser Mann erfahren: denn er stürbe hinweg.

»Ebenso nun auch, Māluṉkyāputto, ist es wenn einer da spricht: ›Nicht eher will ich beim Erhabenen das Asketenleben führen, bis mir der Erhabene mitgetheilt haben wird, ob die Welt ewig ist oder zeitlich ist, ob die Welt endlich ist oder unendlich ist, ob Leben und Leib ein und dasselbe oder anders das Leben und anders der Leib ist, ob der Vollendete nach dem Tode besteht oder nicht besteht oder besteht und nicht besteht oder weder besteht noch nicht besteht‹; nicht genug könnte, Māluṉkyāputto, der Vollendete einem solchen mittheilen: denn er stürbe hinweg.

»›Wenn die Ansicht ‚Ewig ist die Welt‘‹, Māluṉkyāputto, ›besteht, kann Asketenthum bestehn‹: das gilt nicht. ›Wenn die Ansicht ‚Zeitlich ist die Welt‘‹, Māluṉkyāputto, ›besteht, kann Asketenthum bestehn‹: auch das gilt nicht. Ob die Ansicht ‚Ewig ist die Welt‘, Māluṉkyāputto, besteht oder die Ansicht ‚Zeitlich ist die Welt‘: sicher besteht Geburt, besteht Alter und Tod, besteht Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, deren Zerstörung ich schon bei Lebzeiten kennen lehre.

»›Wenn die Ansicht ‚Endlich ist die Welt‘‹, Māluṉkyāputto, ›besteht, kann Asketenthum bestehn‹: das gilt nicht. ›Wenn die Ansicht ‚Unendlich ist die Welt‘‹, Māluṉkyāputto, ›besteht, kann Asketenthum bestehn‹: auch das gilt nicht. Ob die Ansicht ‚Endlich ist die Welt‘, Māluṉkyāputto, besteht oder die Ansicht ‚Unendlich ist die Welt‘: sicher besteht Geburt, besteht Alter und Tod, besteht Wehe, Jammer, Leiden, Gram und Verzweiflung, deren Zerstörung ich schon bei Lebzeiten kennen lehre.