Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 205. Teilnehmer einer Einführungszeremonie (Pflaumenbaumtotem) bei den Arunta.

Sie sind mit Streifen aus gelbem Ocker und Kohle bemalt und mit Daunen beklebt; die sitzende Person trägt einen hohen Kopfputz, der einen Pflaumenbaum darstellen soll.

Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 206. Schlußszene der Einführungszeremonie bei dem Aruntastamme.

Die Knaben müssen, ohne zu sprechen, längere Zeit im Sande liegen.

Besitzt eine Ortsgruppe einen oder zwei Knaben, die nach Ansicht der älteren Männer das erforderliche Alter für die erste Bora erreicht haben, so wird darüber in einer Sitzung ein Beschluß gefaßt und die Vorbereitungen für die erste Sitzung getroffen, die vielleicht erst nach Monaten zustande kommt. Es werden nun Boten ausgeschickt, um die benachbarten Gruppen davon zu benachrichtigen. Auf diesen Gängen führen die Boten gewöhnlich diesen oder jenen Gegenstand, je nach der bei den einzelnen Stämmen herrschenden Sitte, mit sich, bald einen Botenstock, ein kleines Stück Holz, das Kerben aufweist, bald ein Schwirrholz, oder einen Männergürtel, oder einen Strauß Federn. Unter Vorzeigung dieses Kennzeichens macht der Bote vor den alten Männern des Lagers Mitteilung über Zeit und Ort der nächsten Bora, ladet sie ein und fordert sie gleichzeitig auf, diejenigen Knaben mitzubringen, die ihrem Alter nach eingeführt werden können. Ein solcher Bote gilt stets für heilig und unverletzlich, selbst wenn er zu feindlich gesinnten Eingeborenen kommen sollte. Kurz vor dem festgesetzten Tage begibt sich die das Fest gebende Gruppe aufs Feld in die Nähe der Stelle, wo die Bora abgehalten werden soll. Die eingeweihten Männer beginnen dann den Erdboden für die Feier vorzubereiten. Der Plan hierzu fällt an den verschiedenen Orten verschieden aus, allgemein üblich ist jedoch eine Dreiteilung des Boragrundes. Man unterscheidet einen großen, kreisförmigen, sorgfältig gesäuberten und geglätteten Platz, der von einem niedrigen Erddamm umgeben ist, sodann einen oft vierhundert bis vierhundertfünfzig Meter langen Pfad, der von dem großen Kreis in den Busch führt und in einen kleinen gelichteten Kreis endet, der ebenfalls von einem niedrigen Damm umzäunt wird. Frauen dürfen nur den größeren Kreis aufsuchen, aber keine davon, überhaupt kein Uneingeweihter darf den Pfad erblicken; auf Übertretung steht Todesstrafe. Auf jeder Seite des Pfades werden nämlich verschiedene Zeichnungen auf dem Erdboden gemacht, entweder in Gestalt erhöhter Erdhügel oder von Umrißzeichnungen ([Abb. 195]), die mit einem Beil hergestellt werden und meistens verschiedene Tierarten, zum Beispiel Känguruhe, Emue, Schlangen und so weiter, manchmal auch geometrische Muster ([Abb. 199]) darstellen. Die Bäume zu beiden Seiten des Pfades werden mit Schnitzereien verziert ([Abb. 196]), entweder gleichfalls mit geometrischen Mustern oder mit Tieren. An einer Stelle des Pfades oder des kleineren Kreises findet sich oft ein Erdhügel aufgeworfen in Form einer menschlichen Gestalt, die ein mythisches Wesen darstellt. Dieses, von einigen Stämmen Baiame genannt, hat nach dem Aberglauben der Eingeborenen die Borazeremonien eingeführt und findet sich bei jeder Veranstaltung wieder ein, um zuzusehen, ob die Feier auch nach den alten Vorschriften durchgeführt wird.