An beiden Seiten sind Zauberstöcke dargestellt, mit denen die Eingeborenen glauben, durch „Zielen“ auf einen Menschen diesem Unheil bringen zu können; oben ist ein Halsschmuck der Leute des Adlerhabichtclans, unten ein Tschuringa und in der Mitte ein Halsband mit Quaste abgebildet.


GRÖSSERES BILD

Schon beim Heranwachsen zum Jüngling haben die Knaben sich bestimmten Speiseverboten zu unterziehen. Die verschiedenen Stämme besitzen ihre eigenen Bestimmungen darüber, aber es gelten immer die beliebtesten Speisen als verboten, zum Beispiel der Emu, der für die Australier eine große Delikatesse bedeutet, oder in den Küstengegenden der Dugong oder die Schildkröte; sonstige Gerichte, die anderwärts auf dieser Verbotstafel stehen, sind das Stachelschwein, der Wombat, Aale, Emueier und Honig. Je mehr sich der heranwachsende Jüngling dem Mannesalter nähert, um so mehr werden für ihn diese Speiseverbote eingeschränkt, ihm die beliebten Speisen also wieder freigegeben. Zu einem bestimmten Zeitpunkte entscheiden ein paar Männer darüber, ob er jetzt von einem bestimmten Verbot zu befreien ist, etwa von dem Verbot, Fleisch vom Beuteldachs (Bandikut) zu essen. Es wird dafür ein solches Tier eingefangen und gekocht; einer der Männer reibt dem Jünglinge das Fett über den Mund und gibt ihm von dem Fleisch zu essen; fortan ist es ihm gestattet von dieser Nahrung zu sich zu nehmen. In ähnlicher Weise werden die verschiedenen Speiseverbote nacheinander aufgehoben. Manche Stämme dehnen diesen Widerruf auf eine sehr lange Spanne Zeit aus; so kommt es schließlich soweit, daß ein Mann bereits alt und grau geworden ist, ehe er alle Speisen essen darf. Auch die Frauen müssen sich ähnlichen Vorschriften unterziehen und sich bestimmter Speisen bis zu einem gewissen Alter enthalten. Bei manchen Stämmen scheint das Erzeugen von Schmucknarben mit der Aufhebung dieser Verbote in Zusammenhang zu stehen; bei jedem Widerruf werden eine oder mehrere Narben beigebracht.

Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 204. Ausschlagen eines Schneidezahnes bei einem Mädchen des Kaitischstammes,

ein Brauch, der vielen australischen Stämmen eigen ist und bei Knaben oder Mädchen in einem gewissen Alter ausgeführt wird.

Wie unter den Melanesiern, so sind auch unter den Eingeborenen Nordqueenslands Fadenspiele sehr verbreitet. Es handelt sich hierbei darum, eine Schnur zwischen den Fingern zu allerlei Figuren — beliebt sind unter anderem Fische, Schildkröte, fliegender Fuchs, Kanu, Kokospalme — zu verstricken ([Abb. 197]).

Die Zeremonien, mit denen die Jünglinge in die geheimen Sitten ihres Stammes eingeführt werden, stimmen in ihren großen Zügen in fast ganz Ostaustralien (Viktoria, Neusüdwales und einem Teil von Queensland) miteinander überein, dagegen wechseln sie in ihren Einzelheiten sowie in ihrem Namen von Stamm zu Stamm. Der Einfachheit halber wollen wir sie kurz als Borazeremonien, dem bei einigen Stämmen von Neusüdwales üblichen und in die Wissenschaft eingeführten Namen, bezeichnen. Erst wenn ein Mann mehrere Boraversammlungen mitgemacht hat, gilt er für ein völlig eingeweihtes Mitglied des Stammes, indessen ist für ihn die erste Sitzung, bei der er als Knabe zugegen war, die bei weitem wichtigste.