Phot. W. E. Roth.

Abb. 226. Maskentänzer (Krokodiltanz)

bei einer Einführungszeremonie in Nordqueensland.

Phot. A. R. Brown.

Abb. 227. Eingeborener mit Waningahaarputz.

Wir schließen hieran eine Besprechung des Glaubens an Magie und Zauberei, durch den das Leben der Eingeborenen Australiens stark beeinflußt wird. Wird ein Mann in einem Kampfe durch einen Speer verwundet oder getötet, so kommt dies daher, daß der Speer verzaubert war; verfehlte ein Speer, der nach einem Känguruh geworfen wurde, sein Ziel, so war dabei ebenfalls Zauberei im Spiele. Um sich gegen solchen Zauber zu wehren, beziehungsweise ihm vorzubeugen, besitzen manche Stämme in Westaustralien kleine Zauberlieder oder Sprüche, die Männer und Frauen, wenn sie mit irgend einer Arbeit beschäftigt sind, singen. Ein Mann, der sich zum Beispiel Widerhaken an seinen Speer schnitzt, singt dann ein bestimmtes Lied, damit sie stark werden und nicht abbrechen; ein anderes Lied wieder, wenn er eine Speerschleuder anfertigt und so weiter. Ähnlich wie wir es bereits von den Melanesiern her kennen, werden Krankheit und Tod nicht auf natürliche Ursachen zurückgeführt, sondern als die Wirkung böser Zauberei gedeutet, die einer, der dem Betreffenden übel wollte, ihm zufügte. Mancherlei Zaubermittel gibt es, um bei einem anderen Krankheit oder sogar den Tod hervorzurufen. Am verbreitetsten ist das Verfahren des Zuspitzens, wie man es bezeichnen kann. Bei einzelnen Stämmen kann nur ein Zauberer es ausüben, bei anderen hingegen jedermann, sofern er nur den dazu erforderlichen Apparat besitzt. Es gibt von ihm zwar verschiedene Formen, indessen ist der wesentliche Teil daran stets ein Stück Knochen oder Holz, das an dem einen Ende zugespitzt ist; ihm wohnt der böse Zauber inne. Während der Mann nämlich den Stock oder Knochen zuspitzt, murmelt er Flüche, wie etwa: „Möge dein Herz auseinandergerissen werden“ oder: „Möge dein Rücken sich spalten und deine Rippen auseinandergezerrt werden“ und ähnliches mehr und legt dadurch den Zauber in den angespitzten Gegenstand hinein. Ebenso verschieden wie die Form des Werkzeuges ist auch seine Anwendung; sie beruht in der Hauptsache darauf, daß der Knochen oder Stein nach der Richtung der zu schädigenden Person gerichtet wird. Natürlich darf das Opfer von diesen Machenschaften nichts erfahren. Ein solcher Richtapparat, der von zwei Personen bedient wird, besteht aus einer langen gedrehten Schnur aus Menschenhaar, an deren einem Ende fünf kleine Richtknochen und an deren anderem ein solcher und ein paar Klauen von Adlerfalken an einem Stück Harz sitzen. Der vordere Mann hält bei seiner Anwendung die Richtknochen und der hintere die Vogelklauen, ersterer richtet die Knochen nach der Richtung, wo derjenige, dem er Schaden zufügen will, weilt, und stößt sie mit einem Ruck dorthin. Der böse Zauber nimmt dementsprechend diese Richtung und dringt in den Menschen, auf den es abgesehen ist, ein. Dieser erkrankt und bekommt heftige innere Schmerzen, die den Falkenklauen zugeschrieben werden, da diese, wie man annimmt, die inneren Organe umkrallen ([Abb. 228] und [229]).

Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.