Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 242. Beisetzen der gesammelten Knochen in einem Grabhügel bei den Warramunga.

In anderen Fällen nähern sich die Rächer frei und offen dem Lager der Gegner und setzen älteren Männern, die ihnen entgegengesandt werden, um den Grund ihres Besuches auszukundschaften, diesen auseinander. Letztere bemühen sich nun, sie umzustimmen und zu versöhnen. Gelingt ihnen dies aber nicht, so einigt man sich dahin, daß die Rächer entweder den Mann, um dessentwillen sie gekommen sind, oder einen seiner Verwandten töten. Gelegentlich bestimmen die älteren Leute auch, daß ein Mann, der aus irgendeinem Grunde unbeliebt ist, ausgeliefert und getötet werden soll. — Streitigkeiten werden im allgemeinen von vielen Stämmen zwischen den einzelnen Ortsgruppen in Zusammenkünften beigelegt, die in regelmäßigen Zeitabschnitten einberufen werden. Bei einer solchen Versammlung wird alles streng nach Sitte und Brauch geordnet, und die alten Leute halten streng auf die Befolgung der Vorschriften. Wenn zwei Männer verschiedener Parteien sich gegenseitig gekränkt haben, können sie ihren Streit durch ein Duell ausfechten, entweder mittels Bumerang oder Keule oder Steinmesser ([Abb. 234]). Im letzteren Falle stechen sie sich so lange in den Rücken, bis der eine oder der andere nachgibt oder die Freunde die Streitenden trennen; bei Anwendung von Fernwaffen (Bumerang, Speere) darf man sich mit dem Schild verteidigen. Außer diesen Duellen gibt es zur Schlichtung von Streitigkeiten noch Gottesurteile. Hat ein Mann zum Beispiel einem anderen seine Frau gestohlen oder sonst ihn in irgend einer Weise geschädigt, so wird er gezwungen, sich einer Strafe durch Gottesurteil zu unterwerfen. Bei einigen Stämmen muß er sich, ganz gleich ob er schuldig ist oder nicht, hinstellen und sich den Speeren der anderen aussetzen; manchmal darf er sich durch einen Schild dagegen schützen und entkommt dann unbeschadet; auch wenn er keinen Schild benutzen darf, gelingt es ihm häufig, den Speerwürfen auszuweichen. Bei anderen Stämmen muß er Bumerange auf sich werfen lassen, oder der Beleidigte stößt dem Übeltäter einen zackigen Speer in seine Lende. Bei allen diesen Gottesurteilen wird jedoch darauf gesehen, daß der Übeltäter nicht getötet wird. Sollte indessen ein solcher Fall eintreten, dann würde der Getötete wahrscheinlich von seinen Angehörigen gerächt werden.

Auch Frauen bringen ihre Streitigkeiten durch ein Duell zum Austrag, und zwar überall mit dem bekannten Grabstock ([Abb. 236]). Mit diesem gehen sie scharf aufeinander los und schlagen sich gegenseitig so lange, bis eine von ihnen genug hat oder bis sie getrennt werden.

Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 243. Trauernde Witwen mit abgeschnittenem Haupthaar und mit Kalk bemaltem Körper.

Sie trauern um ihren gemeinsamen Gatten in einer abseits vom Lager des betreffenden Stammes selbstgebauten Laubhütte, wo sie nicht eher miteinander sprechen dürfen, als bis die Trauerzeremonien beendet sind, was unter Umständen mehrere Monate dauern kann.


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