Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 246. Trauersitte bei den Australiern.

Um den Bann des Schweigens nach Ablauf der erforderlichen Trauerzeit von einigen Monaten zu beendigen, dem die mit dem Verstorbenen verwandten Frauen unterworfen sind, bringen sie einigen der männlichen Verwandten Geschenke an Nahrungsmitteln; sie beißen dann in die Finger jedes Mannes, wodurch sie von dem Banne erlöst sind.

Die Kundgebung der Trauer besteht bei den meisten Stämmen in Selbstquälereien und lauten Klagen ([Abb. 244]). Verschiedentlich ist mit der Trauer auch die Pflicht des Schweigens verknüpft ([Abb. 243] und [246]). In Zentralaustralien bringen sich die Männer, die zu dem Toten in verwandtschaftlichem Verhältnis stehen, mittels Steinmesser tiefe Schnittwunden am Oberschenkel bei ([Abb. 245]), so daß sie manchmal von Blut gleichsam triefen, die Weiber schneiden sich auch die Haare ab, während sie bei anderen Stämmen sich dieselben absengen, die Männer verfahren in der gleichen Weise mit ihrem Bart. Als Trauertracht ist allgemein das Bestreichen des Körpers mit Farbe Sitte. Im ganzen Binnenland bildet Weiß das Kennzeichen der Trauer, in den Küstengegenden dagegen Schwarz. Man bestreicht sich Kopf, Brust und Oberarme mit Kalk oder Asche. Der Anstrich wird von Zeit zu Zeit erneuert, solange die Trauerzeit anhält, etwa ein Jahr. Das Jammern der Angehörigen, im besonderen der Weiber, setzt ein, sobald der Sterbende den letzten Atemzug getan und dauert so lange, bis er, wenn auch nur seine provisorische Bestattung gefunden hat. Vielfach ist es auch Brauch, die Hütte, in der eine Person starb, niederzubrennen, selbst das ganze Lager zu verlassen, wenn ein Mensch gestorben ist. Man vermeidet überall, den Namen eines Verstorbenen auszusprechen, weil man glaubt, die Toten wünschten nicht genannt zu werden.

Asien

Phot. Ch. Hose.