Abb. 247. Geräucherte Köpfe erschlagener Feinde.

Indonesien.

Unter Indonesien verstehen wir die weite Inselflur, die sich zwischen Südostasien beziehungsweise Hinterindien, Neuguinea und Australien ausbreitet und die großen (Sumatra, Java, Borneo, Zelebes) und kleinen Sundainseln (Bali, Lombok, Sumbawa, Sumba, Flores, Timor und andere mehr), sowie die Molukken (Ceram, Amboina, Djijolo) und die Philippinen (Luzon, Mindanao, Sulu und so weiter) umfaßt. Man nennt dieses Gebiet auch den Malaiischen Archipel, weil er von einem besonderen Menschenschlag, der malaiischen Rasse, bewohnt wird. Diese Rasse, die offenbar aus der gelben Grundrasse, wie die Chinesen und Japaner, hervorgegangen ist, zeigt in körperlicher Hinsicht große Ähnlichkeit mit den Polynesiern, die einen Zweig von ihnen bilden. Während letztere aber infolge längerer Isolierung auf ihren einsam gelegenen Inseln einen mehr einheitlichen Typus angenommen haben, trifft dieses für die Malaien weniger zu, weil sich in den von ihnen bewohnten Gebieten im Laufe der Zeiten reichlich Gelegenheit sich mit anderen Rassen zu vermischen bot. Im allgemeinen gleicht daher der Typus der Malaien dem der Polynesier, mit dem Unterschied, daß er sich vielfach verwischt hat, indem er sich teils verfeinerte durch Kreuzung mit Hindu-, das heißt mit indogermanischem Blute — die Javaner dürften für seine Vertreter gelten, besonders in ihren höheren Schichten — ([Abb. 248]), teils gröber wurde durch Vermischung mit den primitiven Inlandstämmen, den Resten der Urbevölkerung der Inseln ([Abb. 311] und [312]). Unter dieser letzteren lassen sich wiederum zwei Typen unterscheiden, ein kurzköpfiger brauner mit krausem Haar und ein langköpfiger dunklerer mit langem, straffem Haar; jener gehört der afrikanischen, dieser der südasiatischen Grundrasse an; die Verwandten des ersteren sind die Zwergvölker Mittel- und Zentralafrikas, sowie die Bewohner der Andamanen, die des letzteren die Wedda auf Ceylon, die Semang-Senoi auf Malakka, die Australier und Tasmanier. Beide Typen sind im Laufe der langen Zeiten vielfach Vermischungen miteinander eingegangen, so daß es schwer hält, im einzelnen Falle mit Bestimmtheit zu sagen, welchem Typus der Vertreter eines Inlandstammes angehört. Gemeinsam ist beiden Typen die niedere Körpergröße. Am reinsten hat sich die afrikanische Grundrasse noch in den sogenannten Negrito der Philippinen (Aëta, Baluga, Mammamua und so weiter) erhalten. Reste der Urbevölkerung trifft man auf den meisten Inseln noch an; die bekanntesten Stämme sind auf Sumatra die Kubu und Gajo, auf Borneo die Punam, Ot, Bakatan, Ukit, Kajan, auf Zelebes die Toala und so weiter. Alle diese Stämme stehen auf einer recht niederen Kulturstufe, ähnlich wie die Australier. Größtenteils schweifen sie ohne feste Wohnsitze in kleinen Familienhorden umher, für die Nacht benutzen sie höchstens eine aus Laubblättern hergestellte primitive Regenschutzhütte und leben von den Erträgnissen des Sammelns oder der Jagd auf kleine Tiere. Bei letzterer bedienen sie sich ihrer einzigen Waffe, des hölzernen Wurfspießes; zum Ausgraben der Wurzeln benutzen sie Grabstöcke. Ihre Kleidung besteht bei den auf niedrigster Stufe stehenden Stämmen in einem zwischen den Beinen durchgezogenen Gürtel aus geklopfter Rinde ([Abb. 249]) und in einer Kopfbinde aus dem gleichen Stoff. Haustiere und Kulturpflanzen kennen die Urstämme nicht, höchstens besitzen sie Hunde und Hühner, die sie durch Tausch mit den kultivierteren Nachbarstämmen erhielten. Schmuck findet sich bei ihnen nur in bescheidenem Maße vertreten oder fehlt gänzlich. Ihre soziale Ordnung beruht auf der patriarchalischen Familie.

Aus: Stratz, Rassenschönheit des Weibes.

Abb. 248. Sechzehnjährige Sundanesin.

Phot. A. C. Pratt.

Abb. 249. Eingeborene der Tenimberinseln,

die ständig auf dem Kriegsfuß miteinander leben. Sie treiben Ackerbau, Jagd und Fischfang und besitzen auch einige Fertigkeiten in der Bearbeitung von Eisen und Kupfer. In religiöser Beziehung sind sie Animisten. Ihre Häuser sind auf Pfählen erbaut.