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GRÖSSERES BILD
Allgemein verbreitet ist die Sitte der Zähneverunstaltung ([Abb. 259]), der beide Geschlechter zur Zeit, wenn die Kinder die geschlechtliche Reife erlangen, unterworfen werden. Mittels eines kleinen eisernen Meißels und eines hölzernen Hammers werden die Schneidezähne beider Kiefer sowie vereinzelt auch noch die Eckzähne stückweise abgesprengt, bis sie die richtige Form und Länge erhalten haben, und die Kanten durch Feilen geglättet. Durch dieses sehr schmerzhafte Verfahren erhält das Profil der Zähne ein sägeartiges Aussehen. An das Feilen schließt sich dann noch das Schwarzfärben sämtlicher Zähne an. Zugespitzte und geschwärzte Zähne gelten allgemein für sehr schön, und mit nicht zu verkennender Verachtung blicken die so verschönten Malaien auf die Europäer herab, deren Zähne „denen der Hunde gleichen“. Vornehme Bataker lassen sich überdies noch schmale Goldstreifen an den Zähnen entlang legen oder sie mit Goldschlägerhäutchen, die wieder kleine Ornamente aufweisen, überziehen, auch sie selbst mit Gold- oder Perlmutterstückchen auslegen ([Abb. 259]). Die Vornahme des Zähnefeilens ist vielfach mit Festlichkeiten, zum mindesten mit einem Schmaus verbunden. Auf Celebes beobachtete man, daß der Operateur für die Arbeit, die er an einer Prinzessin vorgenommen hatte, ein Huhn erhielt, diesem darauf ein Stück vom Kamm abbiß und das aussickernde Blut über Zähne und Lippen der Schönen fließen ließ.
Tatauierung ist gleichfalls ein beliebtes Verschönerungsmittel; die Muster, die dabei entstehen, pflegen recht abwechslungsreich und oft ganz geschmackvoll auszufallen ([Abb. 261]).
Phot. Dr. E. Carthaus.
Abb. 254. Herstellung von Batiktüchern auf Java.
Bei einzelnen Stämmen Borneos und Celebes’ begegnen wir auch der Verunstaltung des Kopfes ([Abb. 263]). Für gewöhnlich wird der Kopf der Neugeborenen zwischen zwei festen Gegenständen, von denen der eine die Unterlage für das Hinterhaupt bildet, der andere, ein Brettchen, über die Stirn zu liegen kommt, zusammengepreßt, so daß eine Abflachung der vorderen Kopfpartie daraus hervorgeht, was gleichfalls für ein Schönheitszeichen angesehen wird. Auch besondere Vorrichtungen sind hierfür vorhanden ([Abb. 262]). Auf Celebes muß das Kind in dieser qualvollen Enge monatelang verharren, nur alle zwei Tage wird es für kurze Zeit davon befreit, um gebadet zu werden. Auf Borneo dagegen ist das Vorgehen der Mutter weniger barbarisch, im Gegenteil, man beobachtete, daß sie mit besonderer Fürsorge sich um ihr Kind kümmerte, zwischen Brett und Kopf ein Kissen oder ein Polster aus weichen, fleischigen Blättern legte, ziemlich häufig nachsah und den Apparat lüftete, sobald ihr Kind ein Unbehagen äußerte. — Auch die Ohren bleiben von der Verunstaltung nicht verschont ([Abb. 260]). Das Läppchen wird durchbohrt und durch Bambuspflöcke oder Tuchknäuel in genügender Weise erweitert, um einen oder mehrere Ringe aus Messing oder Edelmetall und so weiter als Schmuck darin einzuhängen, die durch ihr Gewicht das Ohrläppchen noch weiter ausdehnen, oft bis zu solcher Länge, daß es wie eine Schlinge bis auf die Schulter herabhängt. Auch die oberen Teile der Ohrmuschel werden durchlöchert und mit zierlichen Ringen geschmückt. — Die Weiber pflegen sich auch vielfach die Haare am Unterleib abzurasieren oder mittels Pinzette auszurupfen.
Vor Eintritt der Pubertät werden Knaben und auch Mädchen der Beschneidung unterworfen, namentlich ist dies unter der mohammedanischen Bevölkerung Brauch. Unbeschnittenen Mädchen ist es verboten, in geschlechtlichen Verkehr zu treten oder eine Ehe einzugehen.
Aus: Hose, Pagan Tribes.