GRÖSSERES BILD

Die Nabelschnur wird meistens von der Mutter selbst mittels eines Bambusspans, eines scharfen Steines oder einer Muschelschale abgetrennt; an anderen Orten tun dies die Helferinnen oder auch der Mann. Vielfach wird der Nabelstrang auch mit den Zähnen durchbissen. Auf den Marquesasinseln ist es bei der Geburt von Häuptlingskindern sogar vorgeschrieben, daß die Großmutter die Nabelschnur mit ihren Zähnen abbeißt. Dieser mangelhaften Behandlung ist das überaus häufige Vorkommen von Nabelschnurbrüchen unter der polynesischen Bevölkerung zuzuschreiben. An die Abnabelung des Kindes knüpfen sich verschiedene Zeremonien. Auf Samoa schlägt man die Nabelschnur bei einem Knaben mit einer Keule durch, um anzudeuten, daß er ein tüchtiger Krieger werden solle, bei einem Mädchen trennt man sie mit einem Messer auf einem Brette ab, auf dem die Tapa geklopft wird, mit dem Wunsche, daß aus dem Kinde eine tüchtige Hausfrau werden soll; Kriegskeule und Tapabrett versinnbildlichen die Hauptbeschäftigung der beiden Geschlechter. Auf den Fidschiinseln dürfen die Nachbarn aus dem Hause, in dem ein Kind geboren wurde, vier Tage lang kein Feuer holen, weil sonst der Wundverlauf am Nabel ein ungünstiger sein würde. Auf Viti Lewu sendet ein Priester an dem Tage, an dem der Abfall der Nabelschnur zu erwarten steht, Gebete zu den Göttern, um Gesundheit und langes Leben für das Kind herabzuflehen, und segnet die Speisen, die ihm gereicht werden. Auf Neuseeland wird der abgefallene Rest der Nabelschnur in der Muschel, mit der sie abgeschnitten wurde, in fließendes Wasser gelegt; schwimmt diese mit ihrem Inhalte weiter, dann ist dies eine gute Vorbedeutung dafür, daß das Kind glücklich werden wird, sinkt sie dagegen unter, so heißt es, daß es früh sterben oder ihm sonst ein Unglück zustoßen wird.

Über Zwillinge bestehen manche abergläubische Vorstellungen. Sind sie ungleichen Geschlechtes, so wird auf Nauru das männliche Kind getötet, weil man annimmt, daß beide im Mutterleibe, weil verschiedenen Geschlechtes, miteinander Unzucht getrieben haben, was für ein schweres Verbrechen gilt. Auf Jap wird von Zwillingen der eine an den Bruder des Vaters oder in Ermangelung eines solchen an einen anderen nahen Verwandten fortgegeben, aus Furcht, es könnte sonst eins der Kinder sterben. Das aus dem Haus gegebene Kind bleibt Eigentum dessen, der es bekommen hat, und darf, im Falle das andere stirbt, nicht zurückgefordert werden.

Phot. Josiah Martin.

Abb. 19. Tanz samoanischer Frauen und Männer,

der in außerordentlich ausdrucksvollen und gleichmäßigen Bewegungen der Arme und Hände besteht.

Sogleich nach der Niederkunft pflegt die Wöchnerin, um auf diese nunmehr wieder zurückzukommen, ein Bad in der See oder einem nahen Flusse — auf größeren Inseln wird die Gebärhütte bereits in der Nähe eines solchen angelegt — zu nehmen und gleichzeitig auch ihr Kleines, das sie selbst säugt ([Abb. 17]), zu baden. Weiter muß sie meistens auch noch längere oder kürzere Zeit in ihrer Hütte in voller Abgeschlossenheit von den Männern zubringen. Auf Tahiti erstreckte sich diese Abschließung bis zu drei Monaten für die wohlhabenderen Wöchnerinnen. Während dieser Zeit mußten sie gefüttert werden; der Vater hatte stets ungehinderten Zutritt, die übrigen Verwandten durften nur die Hütte betreten, wenn sie ihre Kleider abgelegt hatten. Alles, was das Kind, besonders mit seinem Kopf, berührte, wurde sein Eigentum. Nach Ablauf dieser Periode brachten die Ärmeren Reinigungsopfer dar, die Reichen hingegen veranstalteten ein großes Fest, Oroa genannt. Auf den Palauinseln bleibt der Gatte von seiner Frau zehn Monate lang streng geschieden; er hält sich im Junggesellenhaus auf und darf seine Wohnung nur, um das Essen einzunehmen, betreten.

Phot. A. J. Iles.