Abb. 20. Nasengruß der Maori,

denen die Sitte, sich zu küssen, wie den Naturvölkern des Orients im allgemeinen, unbekannt ist. Das eine der beiden Mädchen trägt einen Mantel aus Flachs mit Schnüren verziert, das andere einen Überwurf aus Federn.


GRÖSSERES BILD

Auf den Marianen verteilt man unter die bei der Geburt Beteiligten Reis und Fische; zum Ausdruck der Hochachtung für den Vater bestreut man den Weg, den er zum ersten Male nach der Geburt seines Kindes beging, mit Reis. Auf der Insel Truk (Karolinen) pflegt der Vater bei diesem freudigen Ereignis sich wohlriechende Kräuter an den Gürtel zu stecken und beim Ausgang die Lanze mit der Spitze nach unten zu halten, weil ihm sonst die Seele des Kindes nachfolgen könnte. Auf Nauru führen die jungen Leute nach der Geburt eines Kindes zum Zeichen ihrer Freude einen Ringkampf auf. Bei den Maori Neuseelands ist das Neugeborene tabu und darf von niemand berührt werden, bevor es nicht von diesem Banne erlöst worden ist. Dies geschieht in der Weise, daß der Vater auf einem kleinen Feuer etwas Tarowurzel röstet, das Kind in den Arm nimmt, dessen Körper an verschiedenen Stellen damit berührt und sodann die Wurzel ißt. Doch ist damit die Befreiung von dem Tabu noch nicht erreicht, denn am andern Morgen kommt die älteste Verwandte des Kindes mütterlicherseits und nimmt die gleiche Zeremonie an dem Vater selbst vor. Erst wenn diese beiden Handlungen (Tautane und Reahine genannt) vorüber sind, ist das Kind von seinem Tabu befreit und erhält seinen Namen.

Phot. J. J. Lister.

Abb. 21. Sitztanz auf Samoa.

Eine samoanische Taupu mit ihren Gefährtinnen einen der für Polynesien so charakteristischen Sitztänze ausführend, die in anmutigen Bewegungen der Arme und des Oberkörpers bestehen.

Die Namensgebung erfolgt in Polynesien meistens bald nach der Geburt und wird vielfach von Festlichkeiten (Tänzen, Wettkämpfen und Gelagen) begleitet. Auf der Insel Jap mußte die Schwester des Vaters diesen nach dem gewünschten Namen des neugeborenen Kindes fragen und ihn dann der Mutter mitteilen; auf Nauru wählte eine alte Verwandte den Namen aus und auf Rotuma sogar der Häuptling. Bei den Maori ging die Namensgebung mit besonderen Feierlichkeiten in Gegenwart der Eltern und Verwandten vor sich. Ein Priester tauchte einen grünen Zweig ins Wasser und besprengte damit das Haupt des Kindes, wobei er geheimnisvolle Wünsche murmelte; die Mutter durfte bei der Besprengung nicht zusehen.

Meistens wird das Kind von der jungen Mutter gesäugt. Auf Fidschi glaubte man früher, daß eine andere Milch als die der eigenen Mutter dem Kinde sicher den Tod bringe; ja, man trieb diese Vorsicht so weit, daß die Mutter, wenn sie aufs Feld ging, für den Säugling eigene Milch in einem Bambusröhrchen hinterließ. Früher war langdauerndes Säugen der Kinder sehr verbreitet; besonders auf den Karolinen betrachteten die Frauen es für eine Ehrenpflicht, ihre Kleinen jahrelang, oft bis zum zehnten Lebensjahre zu säugen; auf Samoa sah ein Beobachter einmal eine Mutter sogar drei aufeinanderfolgenden Kindern zu gleicher Zeit abwechselnd die Brust reichen und auf den Marianen ein anderer einen sechsjährigen Jungen abwechselnd aus der Mutterbrust trinken und aus einer Tabakspfeife einen Zug tun. Natürlich wird neben der Muttermilch überall den Kleinen auch andere Nahrung verabreicht, die die Mutter ihnen meistens vorkaut, wie zum Beispiel Kokosnüsse, Bananen, Taro und anderes mehr.