Der Malaie glaubt, daß die Götter über alles, was sein Leben anbetrifft, die Oberaufsicht führen. Auch unter ihnen unterscheidet er freundliche und unfreundliche Wesen. Wenn Bitten an sie zu richten sind, so geschieht dies durch die Seelen der Schweine oder Hühner, von denen jedesmal ein Tier geschlachtet wird, so oft man die Götter unter Beihilfe des aufsteigenden Rauches eines Feuers anrufen will ([Abb. 271]). Richten die Kajan Gebete an die Götter zum Besten des ganzen Hauses, dann pflanzen sie einen Baum in die Erde, aber mit der Krone nach unten und mit der Wurzel himmelwärts; dadurch meinen sie eine Art Verbindungsleiter mit ihnen herzustellen. Für gewöhnlich wird auch eine feierliche Handlung vor einer roh geschnitzten Figur ([Abb. 276]) vorgenommen, die vor dem Hause steht, die aber keinen Götzen vorstellen soll, sondern eher als Altar oder Symbol des Gottes aufgefaßt werden muß. Als Überbringer der Botschaften von den Göttern sieht man Tiere ([Abb. 277]), im besonderen Vögel an. Da diese also die Verbindung zwischen Göttern und Menschen vermitteln, sind sie Gegenstand besonderer Ehrfurcht. Überhaupt spielt die Weissagung bei allen wichtigen Angelegenheiten eine große Rolle; stets pflegt man dann die betreffenden Tiere zu Rate zu ziehen. Wenn die Untersuchung der Eingeweide eines Schweines ([Abb. 279]) oder eines Huhnes kein gutes Vorzeichen zutage gefördert hat, tötet man noch mehr Tiere, bis es vielleicht den Weissagern gelingt, eine günstige Vorbedingung zu verkünden. Sehr häufig werden den Göttern auch Opfer gebracht; hier sind es wiederum in erster Linie das Schwein und das Huhn, die dazu verwendet werden. Aber auch kostbaren Besitz ihnen darzureichen scheut man sich nicht; so zum Beispiel schneidet eine Frau ihr Haar bei Erkrankung des Kindes als Opfer ab. Alle Geister der dritten Gruppe sind böswillig oder wenigstens leicht beleidigt und imstande, Männern wie Frauen Unglück zu bringen. Die einflußreichsten unter ihnen pflegt man mit den schon erwähnten eingetrockneten Menschenköpfen in Zusammenhang zu bringen, die bei irgend einem Überfall erbeutet wurden. Indessen darf man sie nicht für die Geister derjenigen ansehen, von deren Schultern der Kopf abgehauen wurde, sondern es sind dies fremde Geister, die um die Köpfe herumzuschweben scheinen. Sind sie beleidigt worden, etwa durch Nichtbeachtung der gebräuchlichen Aufmerksamkeiten, die man, wie üblich, den abgeschlagenen Köpfen zollen muß, dann beleben sie diese und lassen sie mit den Zähnen klappern.
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 280. Kajanfrau mit einem erbeuteten Menschenschädel tanzend.
Die Frauen gehen den von einem Kriegszug heimkehrenden Männern entgegen, nehmen ihnen die erbeuteten Köpfe ab und führen mit diesen, indem sie die Schädel mit der Hand halten, einen Tanz auf. Große Freude herrscht über einen erfolgreichen Zug.
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GRÖSSERES BILD
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 281. Pfosten, die nach einer Kopfjagd errichtet werden
und zum Aufhängen der erbeuteten Schädel dienen. Die Pfosten sind dem Gotte Bali Flaki zu Ehren, der dem Beutezug gute Vorbedeutung gab, errichtet. Schmale Streifen Fleisch von den enthaupteten Körpern werden als Opfergabe an den Pflöcken der Pfosten aufgehängt.