Dajakfrauen mit Menschenschädeln in den Händen, zu einem Tanze versammelt.

Einige Tage nach der Rückkehr einer erfolgreichen Kopfjägerexpedition werden die abgehackten Köpfe im Triumph ins Haus gebracht. Darauf folgt eine Zeit von Festfreuden, nach welcher die Schädel, nachdem sie von den eingeborenen Frauen zu einem phantastischen Tanz benutzt wurden, neben die alten gehängt werden. Das Vorhandensein von Schädeln in einem Hause soll das Wohlwollen der Geister, die es umgeben, herbeiführen, vorausgesetzt, daß sie genügend beachtet werden.


GRÖSSERES BILD

Neben diesen Geistern der Köpfe gibt es aber in der Natur noch eine Unmasse anderer, wie die der Flüsse, Berge, Gräber, Höhlen und so weiter. In der Tat besitzt nach dem Glauben der Malaien eine jede Örtlichkeit ihren Geist, und das Volk ist darauf bedacht, alle erforderlichen Vorschriften und Gebräuche zu erfüllen, um sich ihrer Gunst zu versichern. Je entlegener ein Ort ist, desto mehr ist sein Geist zu fürchten; die Menschen, die sich zum ersten Male dorthin begeben, achten wohl darauf, daß sie genau die vorgeschriebenen Zeremonien erfüllen, die ganz besonderer Art sind. Auch Kinder tun dies; kommen sie zum ersten Male in eine unbekannte Gegend, dann stecken sie zum Beispiel ein Ei in das Ende eines Bambusstockes, um sich den Ortsgeist geneigt zu machen ([Abb. 283]).

Wir knüpfen hieran einige andere Gebräuche der Dajak, im besonderen des Kenjahstammes. Wird ein neues Haus bezogen, so überführt man die Köpfe aus dem alten mit dem gleichen Gepränge, wie es bei der Heimkehr der triumphierenden Krieger üblich ist. Da man aber nicht liebt, mehr als dreißig Köpfe in seinem Hause zu beherbergen, so benutzen die Kenjah diese Gelegenheit, sich der überflüssigen Köpfe zu entledigen. Sie schlagen eine besondere Hütte für diese auf und bringen darin diejenigen, die sie los werden wollen, unter. Damit die Geister aber nicht merken, daß man sie im Stiche gelassen hat, unterhält man an dem neuen Aufbewahrungsort ein schwelendes Feuer und glaubt, daß, wenn dieses erlischt, die Geister, auch wenn sie kommen wollten, sich zu rächen, hierzu nicht mehr imstande sind.

Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Abb. 284. Tabuzeichen,

das über einen Fluß gespannt ist, um aus irgend einem Grunde den Zugang zu verbieten. Jedes an dem Seile hängende Stück hat seine besondere Bedeutung, die den Leuten bekannt ist.