Ganz eigenartig ist die Art und Weise, wie die Dajak einen gewichtigen Gast empfangen. Dieser läßt zuvor auskundschaften, ob etwa auf dem Hause, das er zu besuchen beabsichtigt, ein Tabu ruht. Nach günstigem Bescheid begibt er sich mit seiner Umgebung zur Galerie des Hauses, spricht und sieht eine Minute lang seinen Gastgeber aber nicht an, der sich übrigens auch um ihn nicht kümmert; im Gegenteil, er macht sich mit seiner Zigarette zu schaffen und blickt auf die Erde. Der Gast seinerseits räuspert sich höchstens oder hüstelt; darauf bringt ihm jemand eine Zigarette, worauf erst der Gastgeber die Unterhaltung aufnimmt mit der üblichen Frage nach der Herkunft und der Zeit des Aufbruchs des Fremden. Wenn nach etwa einer Stunde etwas zu essen gereicht wird, Reis oder Schweinefleisch, läßt der Gast einen Rest davon auf seinem Teller zurück, um anzuzeigen, daß er nicht gierig nach der Speise ist; außerdem erfordert es die gute Erziehung, daß er seine Zufriedenheit mit der Mahlzeit ausdrückt, indem er langsam und laut durch die Nase ausatmet. Darauf spült er sich den Mund mit Wasser, speit es zwischen die Fußbodenbretter aus, putzt sich die Zähne mit dem Zeigefinger und wäscht sich die Hände. Beim Abendessen wird Reisschnaps vorgesetzt und ein voller Becher zuerst dem Gastgeber gereicht, der den Weissagevögeln und anderen geneigten Geistern ein Trankopfer hinschüttet und sodann trinkt. Ein zweiter Becher wird dem Ehrengast kredenzt, der mit den Lippen schnalzt und grunzt, um dadurch seine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Bei der Mahlzeit werden Trinklieder angestimmt, in deren Endreim alle Anwesenden einstimmen.
Phot. Ch. Hose.
Abb. 285. Dajak auf der Lauer nach Vorzeichen.
Die von dem Flug oder dem Pfeifen der Vögel erhaltenen Vorzeichen werden vor der Hütte mit einem Pflocke angemerkt so lange, bis die guten Vorbedeutungen mit der Zahl fünf überwiegen. Die Männer dürfen nicht mit etwa Vorbeigehenden sprechen.
Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 286. Klemantanenfrauen beim Erntefest.
Die Frauen ziehen sich zu diesem Feste wie die Männer an.
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