Phot. Ch. Hose.
Abb. 287. Hütte, für die Weissagevögel errichtet.
Unmittelbar bevor die Vorzeichen untersucht werden, wird eine Hütte errichtet, womit die Eingeborenen zeigen, daß sie sich unter den Schutz der Weissagevögel gestellt haben. Die Hütte, die Merkmale solcher Vorzeichen enthält, wird als heilig betrachtet.
Wie bei jeder wichtigen Handlung im Leben die Weissagungen zu Rate gezogen werden, so geschieht dies auch, bevor man mit dem Säen beginnt. Die Jahreszeit, wenn die Aussaat stattfinden soll, bestimmt ein darin bewanderter Mann mittels einer Art Sonnenuhr ([Abb. 282]). Wenn der Schatten eines senkrecht stehenden Stockes zur Mittagszeit eine bestimmte Länge angenommen hat, dann ist der richtige Augenblick gekommen. Ein Schwein oder ein Huhn wird geopfert, und das Blut an eine Holzfigur vor dem Hause geschmiert. Darauf begibt sich eine Anzahl Eingeborener in den Wald, um den Flug und Ruf bestimmter Vögel, besonders des Mauerspechts, Habichts und Trogons zu beobachten. Währenddessen ruht auf jedem Hause ein strenges Tabu; niemand außer den eigenen Bewohnern darf es betreten, und nur die notwendigste Arbeit darf darin vorgenommen werden. Sind die Vorbedeutungen günstig, so erfolgt die Aussaat. Während die Frucht heranwächst, werden über sie viele Zaubersprüche ausgesprochen und abergläubische Handlungen an ihr vorgenommen. So zum Beispiel schwenken die Frauen einen verzauberten Gegenstand oder ein Huhn über die Ernte und erteilen ihr, desgleichen den Ratten, Sperlingen und anderen Schädlingen ernste Ermahnungen. Wenn die ersten Erntesammler, die stets Frauen sind, irgend etwas sehen oder hören, das von böser Bedeutung ist, gehen sie zurück ins Haus und verbleiben hier bei Androhung von Todesstrafe oder schwerer Krankheit achtundvierzig Stunden lang. Ist das Korn eingebracht, dann darf niemand auf die Dauer von zehn Tagen das betreffende Haus betreten; dies wird durch ein Tabuzeichen kenntlich gemacht ([Abb. 284]). Erst wenn das Einbringen gute Fortschritte gemacht hat, wird ein Fest veranstaltet, bei dem das Saatgetreide für das nächste Jahr schon vorbereitet wird. Um die gleiche Zeit wird noch ein anderer interessanter Brauch geübt. Vier Wasserkäfer werden eingefangen und in ein mit Wasser angefülltes großes Gong gesetzt. Ein alter Mann beobachtet nun ihre Bewegungen und legt diese entweder als gute oder unheilvolle Zeichen für die kommende Ernte aus. Gleichzeitig ruft er die Erntegottheit (Laki Ivong) an, damit sie die Seele des Korns in die Wohnungen führe. Nachdem Zuckerrohrsaft auf das Wasser gegossen ist, trinken es die Frauen, während die Käfer wieder vorsichtig herausgenommen werden, um die Botschaft der Menschen den Erntegöttern zu überbringen. Hierauf setzt lärmendes Vergnügen ein. Die Frauen kochen klebrigen Reis, bedecken ihn mit Ruß und bespritzen damit die Männer, so daß die Spuren davon an ihnen haften bleiben. Bei dem allgemeinen Tanz ([Abb. 291]), der nun folgt, verkleiden sich die Frauen als Männer ([Abb. 286]), diese aber geben Vorstellungen, indem sie Tiere, wie Affen und Nashornvögel, nachahmen.
Phot. W. H. Furneß.
Abb. 288. Kriegsboote der Kajan,
die durch Aushöhlen eines einzigen Baumstammes hergestellt werden. Das abgebildete Boot ist über vierzig Meter lang.