Aus: Hose, Pagan Tribes.

Abb. 289. Feuererzeugen bei den Kajan durch Reiben eines Strickes um ein Stück weichen, trockenen Holzes.

Auch bei ihren Kriegszügen, sei es, daß sie zur Erlangung von Köpfen oder um Rache für vorausgegangene Beleidigungen oder aus ganz allgemeinen Gründen unternommen werden, werden allerlei Vorzeichen zu Rate gezogen. Es geschieht dies besonders vor Antritt der Kopfjagden unter großem Aufwand von Förmlichkeiten. Zwei Männer, die dazu besonders ausgesucht und in den Busch gesandt wurden, müssen den Laut und die Bewegung gewisser Tiere beobachten ([Abb. 285] und [287]), und erst wenn ihre Meldungen nach jeder Richtung hin günstig lauten, zieht die Mannschaft in ihren Kriegskanus aus ([Abb. 288]). Trotzdem verhält sie sich noch tagelang untätig, bis ausgesandte Spione oder die Untersuchung einer Schweineleber ([Abb. 271]) die Bewegung des Feindes festgestellt haben. Jeder beteiligte Mann beachtet inzwischen bestimmte Tabu; man darf nicht rauchen, Knaben müssen in zusammengeduckter Haltung schlafen, Feuer darf nur durch Reibung erzeugt werden ([Abb. 289]) und anderes mehr. Darauf schreitet man bei Tagesanbruch zum Angriff vor. Der weitere Verlauf der Kopfjagd wurde bereits oben beschrieben.

Aus: Hose, Pagan Tribes.

Abb. 290. Geisterhaus für die Bajohzeremonie.

Ist eine Frau erkrankt, dann bringt man ihr durch Zureden die Überzeugung bei, daß sie vom Teufel besessen ist und eine Medizinfrau werden müsse; nur auf diese Weise könne sie von ihrem Leiden befreit werden und erlange gleichzeitig die Fähigkeit, anderen zu helfen. Ob sie nun wirklich dazu imstande ist, wird durch eine bestimmte Zeremonie, Bajoh genannt ([Abb. 290]), festgestellt. Der Raum, in dem die mächtigen Geister, die man dazu ins Haus geladen hat, erscheinen sollen, ist kunstvoll geschmückt; Musik von Gongs und Trommeln erschallt durch das ganze Dorf und wird zu bestimmten Zeiten während der ganzen Nacht wiederholt. Die Medizinfrauen, meistens sind es alte und wenig anziehende, dafür aber prunkvoll aufgeputzte Weiber, versammeln sich nun in der Mitte des Raumes und fangen im Takte nach der Musik eine nach der anderen zu tanzen an, dabei zischen sie und schlagen mit den Händen wild um sich. Eine von ihnen nähert sich der Kranken und gibt ihr eine Pinangblüte in die Hand, außerdem bedeckt sie ihren Kopf mit einem Tuch. Darauf setzen sie die Kranke auf ein kegelförmiges Gerät und wirbeln dieses mit großer Schnelligkeit im Kreise herum. Mit der Zeit geraten alle in förmliche Raserei; dadurch sollen die Geister angelockt werden. Sie fragen sodann die Hauptmedizinfrau, warum man sie rufe, worauf diese antwortet, daß jemand krank sei. Nunmehr ziehen sich die Geister zurück und holen einen mächtigeren Geist herbei, dem sie untertan sind, damit er helfe. Die oberste Medizinfrau fragt diesen, ob er die Kranke heilen wolle. Weigert er sich, dies zu tun, so muß ein anderer mächtiger Geist herbeigeschafft und in der gleichen Weise gefragt werden, jeden Abend von neuem, bis die Kranke genesen ist. Bisweilen gestaltet sich die ganze Zeremonie sehr prunkvoll. Die Medizinfrauen spielen dabei ihre Rolle sehr realistisch; sie fassen den Kopf der Kranken fest an unter dem Vorwande, den bösen Geist gefangen zu nehmen. Nicht selten stellt sich auch ein Erfolg dieser Kur ein.

Phot. Ch. Hose.

Abb. 291. Kenjahfrau beim Erntetanz,