Aus: de Wit, Java.

Abb. 301. Wajangtänzer,

die während der Pausen des Wajangspiels auftreten.

Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Abb. 302. Phantastischer Tanz der Kenjahmedizinmänner,

um die Seele eines Sterbenden zurückzurufen.

Ganz eigenartig ist das Grab eines Kajanhäuptlings. Es besteht in einem langen Holzklotz, der mit seinem kurzen Ende senkrecht in die Erde geschlagen wird. Seine Größe richtet sich nach Rang und Stand des Verstorbenen und fällt am längsten bei Personen von ganz besonderer Bedeutung aus. Das obere Ende dieses dicken Holzpfeilers ist so weit gespalten, daß der Sarg hineinpaßt ([Abb. 305]). Hier wird er eingesetzt, über ihn kommt eine große Grabtafel zu liegen mit kunstvoll geschnitzten Holzseiten, die den Sarg in der Baumspalte umschließen. Man pflegt auch noch die Waffen und andere Besitzgegenstände des Toten ans Grab zu hängen ([Abb. 307]), und, falls er deren nicht viel besitzt, fügen Angehörige und Freunde etwas hinzu. Der Schatten dieser Dinge soll dem Verstorbenen auf seiner mühsamen Reise ins Jenseits von Nutzen sein. Die Klemantanen zerbrechen oder verunstalten die Sachen, die sie aufs Grab legen, angeblich, weil in der anderen Welt alles umgekehrt wäre, wahrscheinlich aber, damit niemand in die Versuchung komme, etwas davon zu stehlen. — Noch am Grabe müssen die Leidtragenden von der Dajong geläutert werden; zu diesem Zwecke besprengt diese sie mit Wasser, in dem die Kinnladen eines geopferten Schweines liegen. Während die Dajong diesen Akt vollzieht, murmelt sie Worte, in denen sie die Hoffnung ausdrückt, daß den Leidtragenden Unglück erspart bleiben möge. Diese treten einzeln den Rückweg an, dabei gehen sie unter einem Stock hindurch, der gabelförmig aus einem Stück Holz des Grabpfeilers gespalten wurde, treten sodann auf ein lebendes Huhn, bespeien es und rufen es an, daß es das Böse abwende. Die Trauerzeit findet ihren Abschluß damit, daß ein menschlicher Kopf ins Haus gebracht wird, woran sich ein allgemeines Freudenfest und ein Schmaus anschließen. Der Kopf oder ein Teil von ihm wird dann mit den Blättern der Silatpalme geschmückt und an dem Grabe aufgehängt. Eigenartig ist auch die Art und Weise, wie die Kajan das Besitztum des Verstorbenen, falls er keine Bestimmungen hierüber hinterlassen hat, verteilen. Die Dajong wird gerufen; sie läßt ein kleines Modellhaus anfertigen, in das Zigaretten, Speise und Getränk gestellt werden, setzt es in die Nähe des Raumes, den der Tote bewohnte, und bittet seine Seele flehentlich, ins Haus zu kommen, von dem Essen zu nehmen und ihre Wünsche zu äußern. Von Zeit zu Zeit tut sie dann so, als lausche sie, sieht ins Haus hinein und verkündet den Verwandten, die Seele sei gekommen und genieße von der bereitstehenden Mahlzeit. Sodann teilt sie den Versammelten die angeblichen Wünsche des Toten mit; diese werden ohne Murren befolgt.

Die Kenjah entledigen sich ihrer Toten in ziemlich derselben Weise, nur die Klemantanen behalten manchmal den Sarg auf der Galerie des Hauses zurück, bis die Zeit der Trauer verstrichen ist; der Sarg wird mit Wachs versiegelt, nach einiger Zeit aber geöffnet, dann die Knochen herausgenommen und gereinigt. Die während der Fäulnis ausfließende Flüssigkeit wird durch ein Bambusrohr in die Erde geleitet. Die gesäuberten Knochen werden in einen kleineren Sarg oder einen Krug gelegt und nach dem Begräbnisplatz gebracht. Hier wird dieser neue Sarg in ein großes allgemeines Mausoleum aus Holz ([Abb. 308]) oder in einen ausgehöhlten Baumstamm gestellt.