Abb. 321. Bontokigorrotenweib.
Ihr Hauptschmuck besteht in der schönen Frisur des Kopfhaares, das mit einer Perlenschnur verziert ist.
Die Kleidung dieser Leute pflegt für die Männer in einer Hose ([Abb. 322]), für die Weiber in einem kurzen, von den Hüften bis zu den Knien reichenden Rock zu bestehen, sowie für beide Geschlechter in einer anschließenden Jacke ([Abb. 324]). Tatauierung wird von ihnen allen geübt ([Abb. 323]), besondere Sorgfalt verwenden darauf die Igorroten und Ifugao; die bei ihnen am meisten verbreiteten Muster setzen sich aus geraden und gebogenen Linien zusammen. Die Frauen lieben allgemein Körperschmuck in Form von Ohrringen, Halsketten, Spangen und Ringen ([Abb. 324] und [325]). Bei den Tinguianen sind ein wesentlicher Bestandteil ihres Schmuckes Perlenschnüre, mit denen sie sich nicht nur das Kopfhaar und den Hals, sondern auch die Arme behängen ([Abb. 326]). An den Armen legen sie eine Schnur über die andere, so daß die Ketten schließlich vom Handgelenk bis zu dem Ellbogen reichen und, wenn die Wohlhabenheit ihres Besitzers es gestattet, sogar bis an die Schulter herauf. Als Zeichen der Vornehmheit gilt es, die Schnüre um das Handgelenk so fest anzuziehen, daß sie das Glied zum Anschwellen bringen; aber gern unterzieht man sich dieser Unbequemlichkeit aus Eitelkeit. — Vornehme Ifugao leisten sich als Ruhestätte eine aus Holz geschnitzte, unseren Liegestühlen ähnliche Bank ([Abb. 327]).
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 322. Manobomann von der Insel Mindanao beim Bogenschießen.
Er trägt kurze Hosen und eine kurze Jacke.
Die Indonesier Luzons sind alle fest angesiedelte Ackerbauer, aber dabei durchweg noch Kopfjäger oder waren es wenigstens bis in die neueste Zeit hinein; denn die amerikanische Regierung sucht natürlich mit allen Mitteln diesem Unwesen Einhalt zu gebieten. Die Igorroten wohnen im nördlichen Luzon in festen Dörfern, deren Bevölkerung drei- bis viertausend Köpfe ausmacht. Jedes Dorf enthält in seiner Mitte das Gemeindegerichtshaus ([Abb. 328]), in welchem der Häuptling zusammen mit den Ältesten die Streitigkeiten schlichtet und die sonstigen Gemeindesachen ordnet. Auch dienen diese Häuser ähnlichen Zwecken, wie in Ozeanien die Junggesellenhäuser; es wohnen und schlafen in ihnen die Unverheirateten, es werden in ihnen die Gäste empfangen und beherbergt und schließlich auch die Kriegstrophäen aufbewahrt. Der Zutritt zu diesen Häusern ist dem weiblichen Geschlecht verboten; die unverheirateten Mädchen schlafen ebenfalls in besonderen Hütten. Die Tinguianen hausen in den rauhen Gebirgsabhängen des nordwestlichen Luzon. Sie haben es in geschickter Weise verstanden, sich trotz der ungünstigen Geländeverhältnisse den Boden zu Ackerzwecken nutzbar zu machen. Um Ackerland zu gewinnen, ziehen sie an den Bergabhängen eine Steinmauer, hauen dahinter den Steinboden ab und füllen ihn auf, bis sie eine Terrasse hergestellt haben; hinter dieser errichten sie eine zweite Steinmauer, die sie wieder auffüllen, und fahren so fort, bis sich schließlich Stufe über Stufe die Abhänge hinauf erhebt. Für die Bewässerung dieser Terrassenfelder sorgt man in der Weise, daß man das Wasser eines Bergstromes auf die höchste Terrasse leitet und es, wenn diese Terrasse genügend begossen worden ist, auf die nächst darunterliegende laufen läßt und so weiter. Manchmal ist es erforderlich, lange Dämme aufzuwerfen und zwischen ihnen gleichsam wie in einer Wasserleitung den Gebirgsbach große Strecken weit zu dem Punkt, wo man ihn sich nutzbar machen will, hinabzubefördern. Der beständige Kriegszustand, unter dem die Tinguianen mit ihrer Nachbarschaft leben, weil sie eifrige Kopfjäger sind, hat sie gezwungen, sich in befestigte Ansiedlungen zurückzuziehen. Ihre Verfassung ist eine oligarchische; kein Häuptling steht an der Spitze der Gemeinde, sondern einige wenige ältere Männer regeln die Geschäfte. Bei den bis in die jüngste Zeit üblichen Kopfjagden gingen die Krieger zunächst mit dem Speere vor; bei Handgemenge aber verließen sie sich auf ihren Schild, ihre Kopfaxt und ihr Jagdmesser. Mit dem Schild, der an seinem oberen Rande mit drei Sprossen ausgestattet ist ([Abb. 329]), versuchten sie dem Gegner zwischen die Beine zu fahren, um ihn hinzuwerfen, ihm dann weiter mit der Axt einen Schlag auf den Kopf zu geben, um ihn kampfunfähig zu machen. Sodann trat das untere Ende des Schildes in Wirksamkeit. In seine beiden Sprossen wurde der Hals des Opfers wie in eine Knopfgabel eingezwängt, und dann der Kopf vom Rumpfe abgetrennt. Wenn die Sieger mit ihren Trophäen ([Abb. 331]) heimgekehrt waren, wurde eine große Feier abgehalten, die wie üblich in Tanz, Gesang und Schnapstrinken bestand. Die besondere Vorliebe der Filippino für Tanz und Musik erwähnten wir bereits oben. Unter den üblichen Musikinstrumenten kommt auch die Nasenflöte vor ([Abb. 330]), auf der eine klagende Melodie gespielt wird, dadurch, daß man leise mit einem Nasenloch hineinbläst, während das andere verstopft ist, um keine Kraft zu vergeuden. Nach Beendigung des Kriegstanzes werden die erbeuteten Köpfe in kleine Stücke gespalten und eines davon als Andenken an die Tapferkeit der Sieger jedem Gaste überreicht, der es mit nach Hause nimmt. Bei anderen Stämmen, zum Beispiel den Ifuago, werden die von den Kopfjägern heimgebrachten Schädel in den Häusern aufbewahrt ([Abb. 332]).
Phot. Bureau of Science, Manila.