Abb. 323. Kalingamann mit Tatauierung,

die bei diesem Stamme sehr verbreitet ist und bald nur als Schmuck, bald als Auszeichnung, bald zu medizinischen Zwecken ausgeübt wird.

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 324. Mangyanfrau von Mindoro,

eines Stammes aus dem Innern, der wahrscheinlich Negerblut in sich aufgenommen hat. Zwischen den Lippen hält sie ein Stückchen Tabak, um die Zähne damit zu schwärzen.

Die Tinguianen bekunden eine große Fertigkeit in der Herstellung von Schmiedearbeiten, und dabei ist das dazu zur Verwendung kommende Handwerkszeug ein ganz primitives. Zwei ausgehöhlte Holzkloben oder Palmenstämme, in denen Stempel mit einem Federbündel, das die Höhlung genügend füllt, auf und nieder bewegt werden, bilden den Blasebalg. Das untere Ende eines jeden Baumzylinders setzt sich in einen Bambusstab fort, der mit ihm durch Tonmasse verbunden ist und horizontal bis zum Schmelzofen zusammen mit dem Bambusstab des anderen Zylinders verläuft. Wird der Stempel nach unten gestoßen, dann drängt er die im Zylinder befindliche Luft nach dem Schmelzgut, wird er sodann wieder hochgezogen, dann fallen die Federn zusammen und lassen die Luft von oben eindringen, und so fort. Das glühend gemachte Eisen wird auf einfachen großen Steinen, die als Amboß dienen, mittels schwerer Steinhämmer zusammengeschweißt und darauf noch mittels kleiner Metallhämmer weiter bearbeitet. Ist der auf diese Weise geschmiedete Gegenstand fertig, so wird er noch durch wiederholtes Erhitzen gehärtet und dann in kaltes Wasser gestürzt. Der Ruhm der Schmiedeerzeugnisse der Tinguianen hat sich auf alle Nachbarstämme ausgebreitet und dazu beigetragen, daß ihre Speere und Kopfäxte nicht nur auf Luzon, sondern auch darüber hinaus im ganzen Archipel Absatz finden.

Die Religion der Luzonvölker gipfelt in Animismus und Ahnenkultus. Die Igorroten glauben außer an eine Reihe Gottheiten, die durch die Ahnengeister mit ihnen in Verbindung steht, noch an ein höheres Wesen. Man sucht diese Götter durch Opfer gut zu stimmen; rohgeschnitzte Holzstücke stellen die Geister vor. In der Nähe eines jeden Dorfes befindet sich ein geweihter Baum, in dem, wie man annimmt, die Ahnengeister ihre Wohnung haben; vor das Wohnhaus legt man Reis und andere Speisen für sie auf kleine Bänke hin ([Abb. 333]). Die Tinguianen glauben mittels der Hilfe von bestimmten Medien mit den Geistern, deren sie eine ganze Schar besitzen, sprechen zu können; die Geister nehmen dabei von diesen Medien Besitz und verkünden durch deren Mund selbst, was man tun soll. Zu diesem Zwecke begibt sich der Vermittler in einen in der Nähe des Dorfes gelegenen Hain und bringt dort den Pinaing auf einem Altar Opfer dar. Diese sind eigenartig geformte Steine ([Abbild. 337]); in ihnen sieht man den Aufenthaltsort der Geister, die das Dorf beschützen; ihre Köpfe werden eingeölt, ihr Hals mit Rindenbändern umwunden und vor ihnen außerdem noch Blut von einem geopferten Schweine zusammen mit Reis ausgeschüttet. Bevor man das Tier tötet, wird es auf die Erde gelegt, Betelnuß und Kalk kommt darauf zu liegen ([Abb. 334]), sodann wird es vom Medium mit geölten Fingern bestrichen, das dabei die Götter auffordert, dem bevorstehenden Opfer ihre Aufmerksamkeit zu schenken ([Abb. 336]). Wenn man annehmen kann, daß die Geister von dem geopferten Tiere genügend genossen haben, wird das Schwein für die Beteiligten weiter zurechtgemacht und verspeist. Natürlich finden im Anschluß hieran auch wieder Tänze statt. Der Glaube an die Macht und das Interesse der Geisterwelt ist so stark beim Volke eingewurzelt, daß jedes Ereignis des gewöhnlichen Lebens von Kundgebungen dieser Anschauungen begleitet wird.

Phot. Bureau of Science, Manila.