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GRÖSSERES BILD
Ein Begräbnis in einem Tinguianendorf ist ein großes Ereignis. Der Tote wird in seine besten Gewänder gekleidet und in sitzender Stellung gegen die Wand des Zimmers gelehnt ([Abb. 341]); um und über ihn werden Decken und andere wertvolle Geschenke aufgehäuft, deren Geisterseelen seiner Seele zu den Ahnen nach Maglawa, dem künftigen Heim, zu folgen haben. Während des Begräbnisses, das gewöhnlich drei Tage dauert, muß die Witwe unter einer weißen Decke verbleiben und wird samt der Leiche Tag und Nacht von Wehklagenden bewacht, aus dem Grunde, daß nicht böswillige Geister dem Toten schaden und den Tod der Hinterbliebenen herbeiführen können. Am Morgen des dritten Tages versammeln sich alle Freunde und Verwandte im Hause des Toten, worauf ein jeder männliche Gast etwa hundertfünfzig Hiebe erhält, „damit sie alle ebenso betrübt seien, wie die Familie des Toten“ ([Abb. 344]). Mit Einbruch der Nacht setzt sich eine alte Frau vor die Leiche, bedeckt sich ihr Gesicht mit den Händen und beginnt laut zu klagen und den Geist des Verstorbenen zu bitten, in ihren Körper einzutreten. Daß dieser Wunsch erfüllt ist, zeigt sich sodann daran, daß sie sich wie besessen gebärdet und ohnmächtig zusammensinkt. Einen Augenblick läßt man sie in diesem Zustande, darauf bringt man Feuer und Wasser und verscheucht dadurch den Geist; die Verzückte macht aber zuvor noch den Anwesenden Mitteilung von des Toten letztem Willen. Der Tote wird in einer Gruft unter dem Hause begraben, in der bereits einer oder mehrere seiner Vorfahren ruhen; die Familie bleibt noch viele Tage lang mit verschiedenen strengen Tabu belegt, und das Grab wird dauernd bewacht, damit sich ihm keine feindlichen Geister nähern.
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 330. Tinguian auf einer Nasenflöte spielend.
Das bei diesem Volksstamme sehr beliebte Musikwerkzeug wird mittels eines Nasenloches geblasen.
Auf der Insel Mindanao sind die wichtigsten Stämme die Subanun auf der westlichen Halbinsel des Eilands, die Bogobo an den Abhängen des Berges Apo. Die Kleidung dieser Leute ist die übliche der Filippino; besonders malerisch soll die Tracht der Bogobostämme sein. Die Männer halten ihr Haar mit Tüchern zusammen ([Abbild. 343]), deren Spitzen sie mit Perlen und Troddeln verzieren; oft tragen sie über einem enganschließenden Hemd einen kunstvoll mit Perlen besetzten oder bestickten Rock, der vorn offen ist. Die Beinkleider sind gleichfalls an ihrem unteren Rande mit einem perlenverzierten oder ausgestickten Streifen besetzt. An Stelle der Taschen trägt jeder Mann auf seinem Rücken einen kunstvoll mit Perlen besetzten hanfenen Beutel, der mit Troddeln und Schellen (eigenem Erzeugnis der Eingeborenen) umrandet ist. Die Kleidung der Bagobofrauen ist nicht minder künstlerisch. Die bis auf den Rock reichende und am Halse fest anschließende Jacke, wodurch der Oberkörper vollständig verhüllt wird, ist auf den Schultern und den Ärmeln, am Halse und Taillenschluß ebenfalls bestickt, oft auch mit komplizierten Mustern in Muschelscheiben oder Perlen verziert. Männer wie Frauen tragen außerdem um den Hals Perlenschnüre, die oft frei bis auf die Brust herabfallen, sowie Schellenarmbänder. Die Frauen lieben es auch, sich die Arme mit Messing- und Muschelschmuck, die Beine und Knöchel mit Spangen zu überladen, an denen Klappern und Schellen sitzen.
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 331. Ifugaokrieger mit erbeuteten Schädeltrophäen.