Abb. 341. Trauer bei einem Begräbnis der Tinguianen.

Der Tote ruht, in seine besten Gewänder gekleidet und von Tüchern und anderen Wertsachen, die er ins Jenseits mitnehmen soll, umgeben, in sitzender Stellung gegen die Wand der Hütte gelehnt.

Es erübrigt sich noch der Moro ([Abb. 346]) zu gedenken, Malaien mohammedanischen Glaubens, die ursprünglich Bewohner der Nordküste Borneos waren, wo sie unter der Bezeichnung Bajau oder Seezigeuner bekannt sind und erhebliche Kreuzungen mit Arabern eingegangen sind. Kurz vor der Entdeckung der Philippinen durch die Spanier nahmen sie von den Suluinseln Besitz und wurden von hier aus durch ihre Raubzüge zur See zu Anfang des vorigen Jahrhunderts eine ständige Quelle des Schreckens für die Bewohner der umliegenden Inseln, deren Besitztum und Frauen ihre Bedürfnisse befriedigen. Daher bekunden sie auch eine Abneigung gegen die Arbeit, zumal sie von früher Jugend ab bereits an die Waffen und die Seeräuberei gewohnt werden. Durch diese ihre Beschäftigung sind sie kriegerisch und furchtlos, selbst grausam geworden, trotzdem heutzutage wenig Gelegenheit für die Ausübung ihres Handwerks sich ihnen bietet, da man sehr auf sie acht gibt. Um ihrem Gewerbe leicht nachgehen zu können, haben sie ihre Wohnungen an der Küste auf Pfählen errichtet; im gegebenen Augenblick können sie von hier aus sofort in ihre Boote gelangen, die dicht vor der Tür vor Anker liegen. Es bedarf keines Hinweises, daß sie tüchtige Seeleute und des Schwimmens kundig sind.

Phot. Bureau of Science, Manila.

Abb. 342. Eine Frau der Bontokigorroten in ihrem Leichenstaat.

Die Igorroten nehmen den Tod sehr gelassen auf und klagen weder, noch trauern sie lange um einen Verstorbenen, am wenigsten um eine bejahrte Person. Trotzdem dauern die Trauerzeremonien zwei bis acht Tage, je nach dem Rang des Verstorbenen.


GRÖSSERES BILD

Die Moro sind von kleiner Gestalt, schlank gebaut und doch muskulös; sie sind sehr beweglich und zeigen sehr lebhafte Augen unter einer niederen Stirn in einem kleinen Gesicht. Der Sultan von Sulu ist nominell der Herrscher aller Moro, doch wird seine Autorität auf den außenliegenden Inseln nicht immer anerkannt von denen, die ihm untergeordnete Vertrauensstellen innehaben. In jedem Dorfe nämlich liegt die Führung der Gemeinde in den Händen eines Datu oder Pangiran; daneben aber kommt auch dem Priester eine gewisse Macht zu. Mit der Religiosität des Moro ist es nicht weit her; sie tritt meistens nur dann in Erscheinung, wenn er, vom Leben angewidert oder um ein Gelübde zu erfüllen, Amok läuft und möglichst viele Ketzer umbringt, ehe er mit dem eigenen Leben die Strafe seiner Begeisterung bezahlt. Die Moscheen der Moro sind in schlechtem Zustand, die vorgeschriebenen Fasten werden unregelmäßig eingehalten und sonstige Enthaltsamkeit, die der Islam vorschreibt, wird wenig beachtet, sofern man annehmen kann, daß diese Übertretung nicht bemerkt wird. Der Moro zollt zwar dem Koran große Verehrung, hat aber fast keine Ahnung von seinem Inhalt.