Phot. N. Annandale.

Abb. 355. Szene von einem Kampf zwischen zwei Stieren.

Ihre Haut wird mit Tigerfett eingerieben, um den Gegner mutlos zu machen.

Die Ehe der Malaien Malakkas wird von seiten der Eltern oder Verwandten des Jünglings eingeleitet. Glauben sie, eine passende Partie für ihn gefunden zu haben, so lassen sie zunächst durch einen zuverlässigen Boten aushorchen, ob das Mädchen etwa schon versprochen ist, falls dies nicht zutrifft, geben sie ihren Wunsch zu erkennen und lassen gleichzeitig den Tag für die weiteren Vereinbarungen festsetzen. An diesem Tage stellen sich Vertreter des Jünglings pünktlich ein, der eine von ihnen überreicht ein Betelnußtablett mit den dazu gehörigen Dingen (Betelblatt, Kalk, Betelnuß, Gambir) und die erste Abschlagszahlung des Brautpreises in Gestalt von Silber oder Schmucksachen. Ein Bruch des Eheversprechens von seiten des Jünglings hat in der Regel zur Folge, daß er seine Verlobungsgeschenke ([Abb. 356]) verwirkt, ein solcher von seiten des Mädchens, daß es sie in doppeltem Werte zurückerstatten muß. An die Hochzeit selbst knüpfen sich bei den von dem Islam noch nicht beeinflußten malaiischen Stämmen eine Unmasse von Gebräuchen, unter denen die Läuterungs- und Reinigungszeremonien die Hauptsache ausmachen. Sie beruhen zum größten Teil auf dem Gedanken, daß Bräutigam und Braut eine königliche Rolle spielen, eine angenommene Identitätsvertauschung, um die Gefahren abzuwenden, die dem früheren Glauben nach jede Hochzeitsfeier wie überhaupt jedes kritische Ereignis im Leben des Stammes begleiten. Die Sitte erfordert drei Dinge für die Gültigkeit der Ehe: die Zahlung des Brautpreises, das gemeinsame Essen der Brautleute von einer Speise und die Anerkennung der Ehe vor Zeugen, unter denen die Dorfältesten anwesend sein müssen. Diese drei Elemente des Eheschlusses finden sich auch bei den Urwaldstämmen, dagegen erfahren wir nichts von ihnen über eigentliche Läuterungs- und Reinigungszeremonien. Die Besisistämme legen großes Gewicht darauf, daß der zukünftige Ehemann auch imstande ist, seine Frau durch seiner Hände Kraft zu ernähren, und stellen an ihn diesbezügliche Fragen. Die Parteien setzen sich um einen Hügel und an den Bräutigam werden etwa folgende Fragen gerichtet: „Gehst du geschickt mit dem Blasrohr um?“, „Kannst du geschickt Bäume fällen?“, „Kannst du tüchtig Zigaretten rauchen?“ Fallen die Antworten zur Zufriedenheit aus, dann wird der letzte Punkt sogleich praktisch erprobt. Nachdem der Bräutigam der Braut eine Zigarette gegeben und sich selber auch eine angezündet hat, wird er aufgefordert, sie dreimal um den Hügel herumzujagen. Erhascht er sie, dann werden beide für verheiratet erklärt, wenn nicht, dann hat der Mann das Recht, bei einer anderen Gelegenheit noch einmal sein Glück zu versuchen. Bei anderen wilden Stämmen tritt an Stelle des Hügels ein Feuer, um das die Braut herumgejagt wird. Offenbar handelt es sich bei dieser Zeremonie um einen Überrest des Brautraubes.

Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.

Abb. 356. Körbchen in Vogelform,

die der malaiische Jüngling bei der Verlobung seiner Angebeteten darbringt.