Bei den zivilisierten Malaien treten, wie gesagt, noch die Reinigungszeremonien hinzu, wenn wir von dem kurzen Akte absehen, den der mohammedanische Moscheebeamte vornimmt; häufig genug aber wird die Hochzeit ohne Zutun des letzteren gefeiert. Die verschiedenen Zeremonien, die sich an eine Hochzeit dieser Malaienstämme knüpfen, sollen oft sieben Tage und ebensoviel Nächte hintereinander dauern. Die drei ersten Nächte sind hauptsächlich der Austreibung oder Aufhebung der bösen Mächte und außerdem der Zeremonie des Hennafärbens gewidmet, die jede für sich in dem Hause des Bräutigams, beziehungsweise der Braut stattfindet. Am vierten Tage findet der feierliche Zug des Bräutigams zum Hause der Braut und sodann das königliche Paradesitzen oder die Erhebung des Brautpaares auf den Thron statt ([Abb. 357]). Schließlich wird der letzte oder die drei letzten Tage, je nach der Dauer der vorausgegangenen Zeremonien, den üblichen Läuterungsfeierlichkeiten gewidmet. Während der ganzen Zeit werden jetzt meistens arabische Hymnen gesungen, sowie malaiisches Fechten und andere Tänze aufgeführt an Stelle der früher bei dieser Gelegenheit üblichen Hahnen- ([Abb. 361]) und Stierkämpfe ([Abb. 355]), Aufführungen des malaiischen Dramas und so weiter, die aber heutzutage wohl nur noch im Norden üblich sein dürften.

Phot. F. W. Knocker.

Abb. 357. Malaiisches Brautpaar bei der Bersandingzeremonie,

bei der es für einen Tag zum Range eines Königs und einer Königin erhoben wird.


GRÖSSERES BILD

Das Hennafärben findet zunächst für sich statt, am zweiten Abend indessen öffentlich unter „Zurschaustellung“ des Brautpaares und zwar jedes Teiles bei sich zu Hause, und zur Entgegennahme von Glückwünschen und Geschenken seitens des beiderseitigen Bekanntenkreises. Eine auserwählte Sippe von Verwandten, Freunden und Dienern begrüßt Braut und Bräutigam nacheinander nach malaiischer Sitte, streut etwas gerösteten, mit Safran gelb gefärbten und ganz gewöhnlichen „gewaschenen“ Reis umher, berührt Stirn und Hände der Brautleute mit einer zauberkräftigen Reispaste und färbt ihnen noch Hände und Fußseiten mit Henna. Am vierten Tage spielt das Paar, in prächtige Gewänder gekleidet, die Rolle eines „eintägigen Königs und Königin“, wie die malaiische Bezeichnung lautet. Das Eigenartige an einem malaiischen Hochzeitskleide sind eine goldgestickte, kurze, krappfarbene Jacke mit engen Ärmeln, ein Sarong und lose seidene Beinkleider; dazu kommen bei der Braut noch zahlreiche, oft auch nur geliehene Armbänder, Fußbänder, Halsketten und Brustschmuck, mit denen sie gleichsam überladen wird, sowie ein seltsam geformter Kopfputz aus unechten Gold- oder Silberblumen, die, da sie auf Draht gezogen sind, bei der geringsten Bewegung erzittern und schillern. Außerdem werden der Braut die Haarspitzen abgeschnitten. Der Bräutigam ist mit einem steifen Kopfputz, der künstliche Blumen und Reiherfedern trägt, Halsketten, Armbändern, Brustschmuck und einem Kris geschmückt. Diese auffällige Anpassung der beiden Geschlechter in ihrer Hochzeitskleidung soll ohne Zweifel die Gefahren des kritischen Zeitpunktes mildern.

Phot. W. Tams.

Abb. 358. Hochzeitsandenken und Betelbäume für Aufzüge.