Die drei mittleren Stücke sollen „Betelblätterbäume“ vorstellen gemäß der alten Sitte von Selangor, Betelblätter beim Hochzeitszuge zu tragen. Die beiden äußeren Sträuße werden von Braut und Bräutigam getragen.
Phot. N. Annandale.
Abb. 363. Ein Götterschrein in einer Höhle auf den kleinen „Birdnest“-Inseln in der Inlandsee von Singora.
Die Tonfiguren sind zur Versöhnung der Götter dargebracht.
Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen sind, bricht die Partei des Bräutigams, nach älterem Brauch mit einer alten Frau an der Spitze unter lautem Trommelschlag, Gongbegleitung und Raketengeknatter nach dem Hause der Braut auf; in abgelegenen Teilen des Landes trägt noch ein Verwandter oder Diener den Bräutigam auf den Schultern, in den von der europäischen Kultur beleckten Gebieten zieht er in einem modernen Gefährt aus, am liebsten in einem Automobil. Früher war es üblich, daß der Bräutigam vor dem Hause der Braut so lange warten mußte, bis er den „Tribut an die Königin des Landes“, die Braut, gezahlt hatte; heute wird er ohne weiteres hineingelassen. Er wird in das Prunkzimmer geführt, das mit dem gestreiften „Regenbogen“, einem Wandbehang, und farbigen „Himmel“, einem Deckentuch ausgestattet ist, und hier von der Braut erwartet. Darauf setzt sich das Paar. Dies geschieht aber in aller Form und ist eine langweilige Sache, denn beide müssen ihre Knie ganz allmählich, ohne Unterbrechung, beugen, bis sie sitzen, ebenso langsam müssen sie sich wieder erheben, bis sie aufrecht stehen; dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis sich beide zu genau demselben Augenblick niederlassen. Wenn es ihm gelingt, soll sich der Bräutigam auf einen Teil des Brautkleides setzen, denn dadurch sichert er sich die wirkliche und nominelle Oberherrschaft im Hause. Sitzt nun endlich das Paar, dann tauscht es das vorschriftsmäßige Gelübde aus und bietet sich zu diesem Zwecke besonders zubereiteten Reis, „den Reis der königlichen Anwesenheit“, zu essen an. Er wird in einem achteckigen Behälter dargereicht ([Abb. 358]), der auch bunte Eier enthält und verzierte Wimpeln trägt, die hier die weißseidenen Hochzeitsschleifen vertreten; jeder Gast erhält hiervon ein Stück; falls man es ihm vorenthalten würde, hätte es früher daraufhin einen Kampf mit dem Kris gegeben. Der letzte Akt der Hochzeitsfeier besteht in dem Besprengen des Brautpaares, das mit vorgestreckten Händen dasitzt, mit Weihwasser. Fast allgemein üblich ist schließlich noch, daß ein Knoten in Form eines V von der Braut und dem Bräutigam gelöst wird — dieses Lösen ist ein Sinnbild der Vertreibung aller schädlichen Einflüsse —, und eine Schnur oder ein Gürtel aus regenbogenfarbigen Fäden siebenmal über die Köpfe und unter die Füße des jetzt verbundenen Paares geführt wird, um dann entweder vom Bräutigam entzweigerissen oder durchgebrannt zu werden; das verkohlte Ende wird sodann noch dem jungen Paare auf die Stirn gerieben. Zum Schluß wird die ganze Hochzeitsgesellschaft von den Jünglingen mittels Bambusspritzen durchnäßt. In Selangor war es früher üblich, Bäumchen aus Betelblättern im Hochzeitszug zu tragen, während Braut und Bräutigam Betelsträuße in der Hand hielten ([Abb. 362]).
Phot. N. Annandale.
Abb. 364. Ein Zauberer in Erwartung des Geistes,
der von ihm Besitz ergreifen soll.