Während die malaiischen Stämme sich im allgemeinen zu der Lehre des Islam bekennen, die allerdings auch bei ihnen vielfach noch mit Dämonenglauben durchsetzt ist, sind die Urwaldstämme Anhänger des Animismus und des Ahnendienstes. Für sie ist die ganze Natur von Geistern ([Abb. 348], [360] und [363]) angefüllt; die einen sitzen im Regen, andere in der Hitze, oder in den Bergen, Flüssen, Seen, in Tieren und so weiter. Gegen ihren bösen Einfluß sucht man sich mit Hilfe von Zauberern zu schützen ([Abb. 359], [364] und [365]). Im Gegensatz zu dieser religiösen Auffassung scheint die der Semang zu stehen. Dieser Stamm bekennt sich anscheinend zu einem höchsten Wesen namens Kari. Dieses ist von übernatürlicher Gestalt, besitzt feurigen Atem und hat alle Dinge mit Ausnahme des Menschen und der Erde erschaffen, jedoch dem ersteren, den auf sein Geheiß ein untergeordnetes Wesen, Ple genannt, schuf, die Seele eingegeben. Es sendet auch die Seelen, die alle auf einem großen Baume hinter seinem Throne sitzen, vermittels bestimmter Vögel in den Leib der schwangeren Mutter. Für den Kari existieren keine Bildnisse, Tempel oder sonstige Kultorte, auch keine Priesterschaft. Von einer äußerlichen Verehrung dieses Wesens weiß man nur das eine, daß die Semang bei einem Gewitter ihm Opfer in Gestalt einiger Blutstropfen darbringen, die sie sich aus der Gegend des Schienbeins entnehmen, und mit Wasser vermischt gen Himmel spritzen; sie hoffen dadurch Kari zu besänftigen.

Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.

Abb. 365. Schwarze Zauberfiguren.

Will man einem Menschen etwas Böses zufügen, dann formt man von ihm eine Figur und durchbohrt mit einer Nadel den Körperteil, dem man an der lebenden Person Schaden zufügen will. Die Schirme und Kerzen finden bei der Zeremonie Anwendung.

Phot. N. Annandale.

Abb. 366. Schnurflechtwerk über einem malaiischen Grabe an der Ostküste (bei Singora).

Der Tod wird durch die Todesgeister herbeigeführt; diese besorgen dies aber nicht nach eigenem Wunsch, sondern auf Befehl des Kari. Wenn sie auf ihrer unsichtbaren Wanderung einen Menschen erblicken, der reif zum Sterben ist, so melden sie dies dem Ple, der seinerseits diese Mitteilung dem Kari weitergibt. Dieser trifft die Entscheidung; fällt sie zuungunsten des betreffenden Menschen aus, so senden die Todesgeister den Totenwind, der über den dem Sterben Geweihten hinwegweht. Hiergegen vermag aber kein Zauber zu helfen, wie gegen Krankheiten. Die Leichen werden im allgemeinen begraben, und zwar zusammengebunden in sitzender Stellung; bei einigen Stämmen wird das Grab mit einem kleinen Zaun von stachligen Blättern und Zweigen, seltener mit einem Flechtwerk aus Schnur ([Abb. 366]) umgeben. Auf das Grab selbst setzt man Speisen, neben ihm zündet man Feuer an. Die Zauberer der Pangan werden nicht begraben, sondern in den Zweigen eines Baumes beigesetzt, damit ihre Seele über den bösen Geist hinwegfliegen kann, der für gewöhnliche Menschen den Weg zum Paradies versperrt. Auch Menschen, die eines gewaltsamen Todes sterben, werden zwischen den Zweigen ausgesetzt ([Abb. 368]). Von einer Wiederherausnahme der Leichen oder Knochen, sowie von einer Verehrung der letzteren wird nichts berichtet. Die Semang geben den Verstorbenen ins Grab eine Bambusröhre mit, auf der die Häuptlinge bestimmte Zauberzeichen eingeschnitzt haben; mit diesen müssen jene bei dem Gericht vor Kari erscheinen und sie vorweisen. Nachdem Gericht abgehalten worden ist, gehen die guten Seelen nach dem Untergang der Sonne ins Paradies, die bösen aber können dorthin nicht gelangen, weil sie durch eigene Wächter davon abgehalten werden; sie müssen ins Fegefeuer, wo sie ein elendes Dasein zu führen haben. — Die buddhistischen Malaien setzen ihre Leichen der Luft aus ([Abb. 367] u. [369]) und verbrennen ihre Knochen, wenn sie verwest sind. Die Asche setzt man vor den Buddhabildern nieder ([Abbild. 370]).