Abb. 397. Aufzug beim Schaukelfest.

Die Männer im Vordergrund stellen Doktoren der alten Zeit dar. Alle Arten von Armen von der Vergangenheit bis auf den letzten Tag werden in dem Zuge gezeigt.

Gelangt ein Siamese zu Reichtum, so läßt er sich die Erbauung eines Klosters, eines Tempels oder einer Pagode angelegen sein und hofft dadurch einen wesentlichen Vorteil zugunsten seines Seelenheils zu erlangen. Um ein verfallenes kirchliches Gebäude wieder herzustellen, gibt er aber kein Geld aus, weil er fürchten muß, daß er, wenn er dieses für das Werk eines anderen verwendete, er nur zu dessen Heil beitragen würde. Überhaupt muß der Buddhist, wenn er zukünftiges Glück erlangen will, sich bereits in diesem Leben verdient machen. Die beliebteste Art und Weise, dies zu ermöglichen, wenn er nicht gerade in ein Kloster gehen will, besteht eben darin, den Mönchen Geschenke zu machen, die diese in jeder dargebotenen Form annehmen, sei es, daß es sich um ein wenig gekochten Reis oder um ein prachtvolles Kloster mit allem Zubehör handelt. Man hat auch bestimmte Tage und bestimmte Jahreszeiten, an denen man diese besondere Form, Gutes zu tun, zum Ausdruck bringt, dabei verbindet man aber auch mit diesen Pflichten allerhand Vergnügungen ([Abb. 396]). Vier Tage im Monat sind heilige Tage, an denen die Leute ihre besten Kleider anlegen und zum Tempel wandeln, um hier kleine Opfer darzubringen. Am Anfang und Ende der buddhistischen Fastenzeit bietet sich zu ähnlichen Gebräuchen Gelegenheit. Im April wird die Geburt des Buddha und sein Tod durch einen dreitägigen Gottesdienst im Tempel gefeiert, und am Abend finden Feuerwerk, festliche Beleuchtung und Theater statt. Im Oktober sind alle Menschen eifrig dabei, den Mönchen Kleider zu schenken; es ist dies das bedeutendste Fest der buddhistischen Religion, das Tot Krathin oder das „Niederlegen des heiligen Tuches“. Dieses Fest dauert ungefähr einen Monat und verschlingt eine Unmasse Geld, das für das gelbe Tuch der Mönche ausgegeben wird. Jeder von ihnen bekommt viel mehr davon als er irgend nur gebrauchen kann. Die Hauptsache aber dabei ist, daß das ganze Volk vom König abwärts sich dadurch sehr verdient macht und trefflich unterhält. Zum Prabahtfest, das in den Monat Oktober fällt, unternimmt das Volk Pilgerfahrten in die Berge bei Bangkok, um dort in einem Tempel zu beten, der auf den angeblichen Fußspuren Buddhas, allerdings auf solchen von mehr als einem Meter Länge, erbaut ist. Kurz vor Vollmond bringen Sonderzüge die Pilger zum geweihten Ort; während der nächsten Tage drängen sie sich auf den Stufen des Tempels, um Geschenke niederzulegen, Spielsachen, Bilder, Uhren und andere seltsame Gegenstände, die in Bangkok gekauft wurden, oder um Goldschaum auf jede nur erreichbare Stelle der Tempelmauer zu kleben. Die Nächte bringen sie mit Lesen der heiligen Schriften oder mit Unterhaltungen und Flirt bei hellem Mondschein zu.

Phot. R. Lenz.

Abb. 398. Szene aus dem Schaukelfest.


GRÖSSERES BILD

Phot. F. Ebit.

Abb. 399. Szene aus dem Fest des ersten Pflügens.