In Vertretung des Königs wird der Ackerbauminister zum Festplatze getragen.

Andere Feste religiöser Natur, die die Siamesen feiern, sind entweder aus dem Brahmakultus übernommen oder beruhen auf deutlicher Geisteranbetung. Im April findet das Songkranfest statt, nach einem brahmanischen Gott so benannt, der auf die Erde kommt, um das neue Jahr einzuweihen. Einige Tage vorher verkünden die Brahmanenpriester des Hofes die Anwesenheit dieses Gottes auf der Erde. Daraufhin macht sich das ganze Volk daran, die Erde mit Trankopfern zu begießen und damit auch Personen zu bedenken, denen ihre Ehrfurcht gilt. Mit besonderem Ernst wird diese Zeremonie im Königspalast vorgenommen, indem man die Erde und das Staatsoberhaupt feierlichst mit Weihwasser besprengt. Andernorts nimmt diese Zeremonie aber mehr die Form einer Belustigung an, bei der die weibliche Jugend die Führung hat und die sie so lange betätigt, bis sie und alle, die sich ihr nähern, ganz und gar durchnäßt sind. Die Verkündigung der Rückkehr des Gottes in den Himmel macht dem Spiel ein Ende. — Im Oktober wird die Versöhnung des Flußgeistes mit großartiger Feierlichkeit begangen; man nennt diese Zeremonie Loi Kratung oder das „Schwimmen der Körbe“, weil man auf dem Flusse Dankopfer in Körben aussetzt und diese hinabtreiben läßt. In Bangkok, wo man diese Festlichkeit in der Nacht vornimmt, wird ein jeder Korb noch beleuchtet, so daß der ganze Strom einem funkelnden Lichtmeer gleicht, und diese Wirkung wird noch durch Feuerwerk erhöht. — Das alljährlich stattfindende Schaukelfest, das eine althergebrachte Einrichtung ist, soll den Dank für die letzte Ernte und gleichzeitig die Fürbitte um einen reichlichen Ertrag im nächsten Jahre bedeuten ([Abb. 397]). Der Gott Indra, in Gestalt eines vornehmen Siamesen, überwacht die Feier und marschiert im Zuge, der sich von einem entfernt gelegenen Tempel bis zu dem Platze begibt, wo die große Schaukel steht, mit. Vier Männer, deren Tracht auf einen Zusammenhang mit Regengöttern hinweist, werden auf die Schaukel gehoben — diese selbst ist gegen dreißig Meter hoch und das Schaukelbrett befindet sich etwa fünf Meter über der Erde —, ergreifen die herabhängenden Seile und setzen sie in Bewegung. Sobald sie genügend in Schwung geraten ist, sucht einer einen kleinen Beutel zu erfassen, der an einer langen Bambusstange in der Nähe der Schaukel hängt und Münzen enthält ([Abb. 398]). Glückt es ihm, ihn zu erfassen, dann ruft die zahlreich versammelte Menge vor Freuden Beifall, verfehlt er ihn aber, dann erhebt sich Bedauern. Daß das Volk so lebhaften Anteil an dem Gelingen dieses Versuches nimmt, hängt mit dem Aberglauben zusammen, daß dadurch eine zwischen Indra und den Regengöttern abgeschlossene Wette ausgetragen werden soll. Wenn die Münzen ergriffen werden, so haben letztere gewonnen.

Phot. W. A. Graham.

Abb. 400. Das Fest des ersten Pflügens.

Zum Schluß sei noch das Rek Na-Fest oder das „erste Pflügen“ erwähnt, eine Zeremonie, um die Götter des Ackerbaues günstig zu stimmen und zu erfahren, wie voraussichtlich die nächste Ernte ausfallen wird. Mit ihm wird die Feldarbeit eröffnet. Ehemals führte der König selbst diese Zeremonie aus, jetzt vertritt ihn dabei ein hoher Beamter, meistens der Ackerbauminister ([Abb. 399]). Dieser lenkt einen vergoldeten Pflug, der von bunt angeschirrten Ochsen gezogen wird ([Abbild. 400]), dreimal um ein geweihtes Feld, auf das nachher Reis gestreut und sofort vom Volke wieder aufgelesen wird, in dem Glauben, daß, wenn man diese Körner unter die eigene Saat mischt, sie gute Ernte zeitigen werden. Außerdem werden zwei jungen Ochsen verschiedene Getreidesorten vorgelegt und aufgepaßt, von welcher sie am meisten fressen. Diese wird aber nicht angebaut, weil dann die Ernte schlecht ausfallen würde. Zum Schluß der Zeremonie werden die Ernteaussichten der bevorstehenden Jahreszeit verkündet.

Aus „Anthropos“.

Abb. 401. Siamesische Tafel, um das Horoskop zu stellen.

Der silberne Schirm zum Beispiel bedeutet: Ehren, Macht, Achtung; der Mann ohne Kopf: Verlust eines Prozesses, materiellen Verlust, auch gewaltsamen Tod; der königliche Palast: hohe Würden, Protektion, Einfluß auf andere und so weiter.