Der vordere Büffelwagen trägt eine mythologische Gestalt, Elefantenvogel genannt, der nach einem Volksspiel die Königin Kithani davontrug. Er ist aus Bambus gefertigt und mit bemaltem rauhem Papier überzogen; zu den Kosten steuerte ein ganzes Dorf bei.
Die Geburt eines Birmanenkindes erfordert nach altem Brauch eine Unmasse von Förmlichkeiten, so daß dieser Akt für die Frau, abgesehen von den wirklichen Geburtsschmerzen, zu einer wahren Qual wird. Setzen die ersten Wehen ein, dann muß entweder die Schwangere selbst oder ihre Mutter oder eine Freundin der Geburtsgöttin, die „Dame des Westens“ genannt — diese Bezeichnung dürfte wohl daher rühren, daß in dem nach dieser Himmelsrichtung hin gelegenen Teile des königlichen Palastes die Frauen niederkamen — eine Opfergabe darbringen, die in einer Maß Reis, einem Vier-Anna-Stück (etwa zwanzig Pfennig) und einigen Knoblauchknollen besteht und von den Worten begleitet wird: „Öffne weit die Tore des Lebens, damit das neue Wesen hereintrete; Schmerz und Trübsal mögen vorübergehen und die Freude von langer Dauer sein.“ Sodann legt sich die junge Mutter auf die Matte. Von nun an beginnt für sie eine wirkliche Qual, die so groß ist, daß viele Birmanenfrauen es vorziehen, ihre Kinderzahl zu beschränken. Um die Gunst der „Dame des Westens“ sich zu erringen, nimmt sie zunächst ungekochten Reis in die flache Hand, verbeugt sich nach dem Untergang der Sonne zu und spricht dabei: „Erschrick mich nicht; rege mich nicht auf; tue mir kein Leid an; raube mir nicht den Atem“, worauf sie den Reis über einen niederen Schemel streut, den sie in der nächsten Zeit viel benutzt. Alles Lüften hört fortan im Zimmer auf, im Gegenteil, es wird eine wahre Backofenhitze darin unterhalten, ganz gleich, in welcher Jahreszeit man sich befinden mag. Die Gebärende wird dreimal täglich ganz und gar mit indischem Safran bestrichen, bekommt täglich ein heißes Bad, wird darauf massiert und schließlich in ein etwa drei Meter langes Tuch eingewickelt. Um den Kopf werden ihr noch fünf Turbane gelegt, weil man annimmt, daß sie dadurch keine Kopfschmerzen bekommen wird, und ihr heißes Wasser, in dem Safran und Salz aufgelöst sind, zu trinken gegeben. Dieses alles aber ist erst die Vorbereitung für die Hauptzeremonie, bei der die arme Frau auf ihrem Schemel sitzend vor einem glühenden Feuer, dessen Wärmekraft noch durch aufgelegte Steine erhöht wird, täglich eine Zeitlang buchstäblich braten muß. Dabei wird sie auf dem Rücken und in den Seiten mit Kleidern und Decken reichlich bepackt. Das Feuer brennt ununterbrochen Tag und Nacht; wohlriechende Holzsorten finden dabei Verwendung, deren Rauch das Unglücksweib auch noch einatmen muß. Sieben Tage lang geht dies so weiter, dann bekommt die Entbundene ein einfaches türkisches Bad, das über einem Topfe kochenden Wassers mit Tamarinden und anderen Blättern und Gräsern hergestellt wird; dieses muß sie in Matten und Decken gehüllt eine Stunde lang genießen. Darauf wird ihr ein kaltes Bad verabreicht, damit ihr die Füße nicht anschwellen, aus dem gleichen Grunde muß sie auch etwas umhergehen, die Zahl der Schritte, die sie dabei zu machen hat, darf nicht unter sieben betragen. Es liegt hierin offenbar ein Zugeständnis, daß die Förmlichkeiten bei der Geburt für die Wöchnerin ziemlich anstrengende sind. Mittlerweile ist das Kind auch geboren worden. Seine Mutter aber darf sich mit ihm erst vom siebenten Tage an beschäftigen. Gleichzeitig setzt die Geburts- oder Wiegenzeremonie ein. Kleine Zeugbeutelchen werden zunächst an den vier Ecken der Wiege befestigt; ein jedes von ihnen enthält etwas Reis, einige Münzen, Kokosnuß, Pipul, verschiedene Blätter, Gras und ähnliches. Sehr wichtig ist dabei, daß in jedem Päckchen auch für den einzelnen Wochentag bestimmte Blätter und Gräser vorhanden sind, mindestens aber dasjenige, das dem Tage entspricht, an dem das Kind geboren wurde. Über dem Kinde wird sodann eine Decke ausgebreitet, und, falls es ein Knabe ist, obendrauf noch eine vollständige Männerausstattung, bestehend in einem Hüfttuch, einer Jacke, einem Turban, einem Dolch, dem Familienschmuck in Gold und Silber, einem Spiegel, einem Kamm, einem Rubinring, falls solcher vorhanden ist, und mit Edelsteinen möglichst reich besetzten Ohrzylindern gelegt. Thanaka, der Ersatz für Puder bei den birmanischen Schönen, wird gemahlen und über das Ganze zerstäubt. Darauf füttert man das Kind symbolisch mit ein wenig Reis und Curry in Wasser, der sogenannten „gesegneten Speise“. Diese Zeremonie vollzieht die Hebamme, nicht die Mutter, und zwar dreimal. Sie rasiert auch den Kopf des Kindes (mit dem Schaum aus den Samen der Seifenakazie) und windet um sein Handgelenk, um Hals und Fußgelenk sieben weiße Baumwollfäden. Während man nun das dabei gewiß etwas nervös gewordene Kind sich selbst in der Wiege überläßt, beschäftigt man sich jetzt mit dem Nat, dem Schutzgeist des Hauses. Sein Aufenthaltsort ist eine Kokosnuß, die in einem Bambuskorb vor der Veranda eines jeden birmanischen Hauses aufgehängt ist; diese Behausung muß zu Anfang eines birmanischen Jahres und zu Anfang und Ende der buddhistischen Fastenzeit gewechselt werden; dabei achtet man aber sorgfältig darauf, daß dies nicht an einem Mittwoch, oder am vierten, sechsten oder neunten Tage des zunehmenden Mondes geschieht. Die Kokosnuß wird auch stets umgetauscht, wenn ein Kind im Hause zur Welt kommt. Man teilt dieses Ereignis bei dem Wiegenfeste dem Hausgeiste mit und bringt ihm, beziehungsweise seinem Symbol, eben dieser Kokosnuß, Opfer dar, nämlich Bananen, Arekanüsse, Blumen, Tee, Kuchen, Sirup, ein Ei und so weiter; die Nuß wird dabei heruntergenommen. Ist das Kind ein Knabe, dann wird es auch noch in zwei Stücke gelben Tuches gekleidet, womit sein Eintritt in den „Edlen Orden des gelben Gewandes“ schon frühzeitig gekennzeichnet werden soll, eine Vorsichtsmaßregel für den Fall, daß das Kind sterben sollte, bevor es das Alter für den Eintritt in einen Mönchsorden erreicht hat. Der älteste der anwesenden Männer schaukelt die Wiege siebenmal und ruft dabei aus: „Möge das Kind hundertundzwanzig Jahre alt werden; möge es weise werden, möge es reich werden, möge es schön werden, möge es jedwede schätzenswerte Eigenschaft besitzen.“ —
Phot. R. Grant Brown.
Abb. 428. Prozession der Götterbilder.
Zur Namensfeier des Kindes werden alle Verwandten und sämtliche Dorfältesten eingeladen, außerdem noch so viele Nachbarn, als man bewirten und im Hause unterbringen kann. Dort sitzen sie, mit ihren besten Kleidern angetan, in einem Kreise und unterhalten sich geraume Zeit über Gemeindeangelegenheiten. Ganz plötzlich schlägt dann einer der älteren Männer einen Namen vor, wie wenn er ihm soeben, zum Beispiel in Verbindung mit der Meinung seines Nachbarn über die Ernteaussichten, eingefallen wäre. In Wirklichkeit aber haben ihn die Eltern nach vierzehntägiger Überlegung bereits ausgewählt. Da es aber gegen die gute Sitte verstoßen würde, ihn vorher zu verkünden, machen sie einen Fremden zum Sprachrohr ihres Wunsches.
Phot. R. W. Marshall.
Abb. 429. Eine Schauzeremonie.