Aus festlichen Anlässen werden oft Tiere der Fabel aus der Heldenzeit aufgestellt, zum Beispiel die obige furchterweckende Tiergestalt, die in den Geisterwäldern hausen soll.
Wenngleich den Eltern also das Recht zukommt, ihrem eigenen Kinde einen Namen zu geben, so sind sie bei dessen Auswahl doch an bestimmte Vorschriften gebunden. Es ist nicht üblich, Kinder nach ihrem Vater zu benennen und auch nicht notwendig, daß auch nur ein Bestandteil ihres Namens auf einen der Eltern hinweist. Familiennamen gibt es überhaupt nicht. Der Wochentag, an dem das Kind geboren wurde, pflegt für den Namen entscheidend zu sein. Man geht bei der Namensgebung folgendermaßen vor: das birmanische Alphabet ist in eine Anzahl Gruppen eingeteilt wie in alle mit k zusammenhängenden Buchstaben, in b und seine Verwandten, in alle Zahnbuchstaben und in die Vokale. Alle diese Buchstaben werden den einzelnen Wochentagen zuerteilt. Für Horoskopzwecke hat man acht Planetenkörper, der achte ist Rahu, der dunkle oder boshafte Planet, der Finsternisse hervorruft; er beherrscht den Mittwoch von Mittag bis Mitternacht und hat den Buchstaben y ganz für sich. Innerhalb der angeführten Schranken, die den Eltern für die Namensgebung auferlegt sind, können sie das Kind nennen, wie es ihnen beliebt. Ein Kind, das Sonntags geboren ist, hat alle Vokale zur Verfügung. So zum Beispiel kann, da Maung in der birmanischen Sprache ein männliches, Ma ein weibliches Wesen bezeichnet, ein Sonntagskind Maung O (= Herr Topf), Ma At (= Fräulein Nähnadel), Maung Eng Saung = (Herr Verwalter-das-Haus) oder Ma E (= Fräulein Frostig) genannt werden. Dem Freitag gehört der Buchstabe th und h, daher wird ein an diesem Tage geborenes Kind etwa die Namen Maung Thaw (= Herr Geräuschvoll) oder Ma Ho (= Fräulein Drüben) führen. Unter diesen Umständen ist es auch ein leichtes, wenn man den Namen eines Menschen kennt, seinen Geburtstag zu wissen. Ein Mann namens Maung Lauk (= Herr Made) kennzeichnet sich als Mittwochskind, eine Frau namens Ma Ba Tu (= Frau Ihrem-Vater-ähnlich) als Donnerstagskind und andere mehr. Im Grunde genommen hat ein Birmane an einem Tage jeder Woche seinen Geburtstag; viele Menschen vom Lande haben sowohl den Monat als auch das Jahr ihrer Geburt vergessen oder überhaupt nicht gewußt. Mit Eintritt der Entwicklungsjahre steht es einem jeden aber frei, seinen Namen zu wechseln. Man braucht, um dies kundzutun, nur ein Päckchen Tee umherzuschicken und zu erwähnen, daß man fortan soundso heißen wird.
Phot. R. Grant Brown.
Abb. 430. Maskierte Figuren,
wie sie gelegentlich eines großen Festes, ähnlich wie bei dem beliebten Vot-the oder Marionettenspiel im kleinen, verwendet werden.
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GRÖSSERES BILD
Die Kinder gehen die ersten Jahre ihres Lebens, im allgemeinen bis zum siebenten oder achten Jahre, unbekleidet einher, nur selten werden sie bereits früher in Gewänder eingekleidet und sind dann gleichsam Miniaturausgaben der Erwachsenen, deren Kleidung die ihrige vollständig gleicht. Sie wachsen sorglos und im Genusse völliger Freiheit auf. Von der frühesten Kindheit an erfreuen sich die Kleinen schon des Genusses einer Zigarre ([Abb. 437]). Es ist für den zum ersten Male nach Birma kommenden Europäer ein ganz seltsamer Anblick, wenn er kleine Mädchen nur mit „Luft bekleidet“ neben ihren Eltern an einem Glimmstengel ziehen sieht. Die birmanische Zigarre ist ein wahres Monstrum an Größe und Dicke, aber sehr mild; sie besteht aus einer Mischung von wohlriechenden Kräutern und Tabak. — Von dem angegebenen Alter an werden die Kinder auf jeden Fall in Kleider gesteckt und in die Schule gesandt; soweit nicht bereits europäischer Einfluß sich bemerkbar gemacht hat, sind dies die Klosterschulen. Die buddhistischen Mönche nämlich sind keine Prediger in unserem Sinne, keine Verkünder des Wortes Gottes an das Volk; nur durch ihr entsagungsvolles Beispiel wollen sie auf dieses einwirken, dafür aber erteilen sie der Jugend Unterricht. Die Klosterschule ([Abb. 438]) nun soll den Birmanenjüngling auf das bedeutungsvollste Ereignis seines Lebens vorbereiten, auf das Anlegen des gelben Mönchgewandes. Erst von diesem Augenblick an gilt der Birmane für einen Mann und kann durch seine Taten sich Verdienste für sein ferneres Leben erwerben, um sich dadurch einen Aufstieg in der Daseinsstufe zu ermöglichen.
Phot. R. Grant Brown.