Abb. 431. Szene aus dem Taungnyospiel.

Dikyamba, der Bruder des Königs von Prome, liebte Saw Yu, die Schwester des Schankönigs von Taungnyo. Er lebte in ihres Vaters Palast und erhielt, nachdem sie von ihm ein Kind geboren hatte, die Erlaubnis, sie nach Prome zu nehmen. Hier aber tötete der König von Prome seinen Bruder und sandte dessen Weib nach Taungnyo zurück. Vor Gram starb sie aber auf dem Wege dorthin. Die obige Szene stellt die Prinzessin dar, die zum König bittet, und ihren Gatten, der das Kind hält.

Phot. D. A. Ahuja.

Abb. 432. Öffentliche Aufführung in Birma.

Zwei Personen, die einen Prinzen und eine Prinzessin darstellen, tanzen zur Musik. Das wichtigste Instrument einer birmanischen Musikkapelle ist das Saing-Kaing, ein kreisförmiges Gestell mit achtzehn zylindrischen Trommeln in seinem Innern, und ein zweites ähnlich gebautes mit Gongs, die alle auf einen Ton abgestimmt sind. Die Stimmung auf einen bestimmten Ton wird bei den Trommeln mit einer Mischung aus gekochtem Reis und Asche, bei den Gongs mit Bienenwachs erreicht.


GRÖSSERES BILD

Für die Aufnahme in den Orden ist ein Mindestalter von zwölf Jahren vorgeschrieben, allerdings wird der so frühzeitig Aufgenommene dann hier Novize oder Upazin. Erst mit zwanzig Jahren kann er wirkliches Mitglied (Akoluth oder Shin) werden. Die Mehrheit der Birmanen zieht es vor, als Knaben einzutreten, weil sie möglicherweise sterben könnten, bevor sie das Mannesalter erreicht haben. Die Aufnahme spielt sich mit großem Gepränge ab. Der Knabe wird, mit möglichst viel Schmuck beladen, auf einen Pony oder in einen Wagen gesetzt und im Zuge unter einem goldenen Schirm durch die Straßen geführt; er spricht unterwegs bei allen Freunden und Bekannten vor, die ihm moralische Ratschläge geben, und, was eigentlich die Hauptsache ist, zu den Unkosten der Feierlichkeit beitragen sollen. Alle Verwandten, in ihre schönsten Gewänder gekleidet, begleiten den Knaben in dem Zuge, den eine Musikkapelle mit ihren lustigen Weisen eröffnet. Vor dem Kloster, wo der Umzug endet, legt der Knabe all seinen Putz ab und zieht sich ein weißes baumwollenes Gewand dafür an. Sein langes Kopfhaar wird ihm abgeschnitten ([Abb. 439]), der Kopf rasiert ([Abb. 443]), mit Safran eingerieben und mit dem Absud von Seifenakaziensamen gewaschen. Die Haare werden der Mutter oder den Schwestern übergeben, die, wie es scheint, sich später Zöpfe daraus machen lassen. Nach diesen Vorbereitungen kniet der Knabe vor den Mönchen nieder, sagt seine Formel her, mit der er um Aufnahme als Novize bittet, und wird sodann in aller Form in die Kleider gehüllt, die die Eltern für ihn beschafft haben. Jetzt ist er zum Mann geworden und dokumentiert dies auch nach außen hin, indem er sich tatauieren läßt. Der ganze Körper wird von der Hüfte bis zum Knie mit Tiergestalten (Tigern, Löwen, Affen und so weiter) und um diese herum mit kabbalistischen Zeichen als Einfassung bedeckt, und erweckt auf den Beschauer den Eindruck, als ob sein Besitzer Kniehosen anhätte ([Abb. 416]). Ein Mann, der sich in dieser Weise nicht hat tatauieren lassen, gilt für einen Feigling; er rafft aus diesem Grunde auch nicht sein Lendentuch auf, besonders nicht, wenn Mädchen in der Nähe sind. Diese Tatauierung wird in blauer Farbe ausgeführt. Zu ihr gesellt sich vielfach noch eine rote an dem Oberkörper, die den Zweck haben soll, sich die Liebe der Mädchen zu erringen oder Unverletzbarkeit gegen Krankheiten zu erlangen. Mädchen werden nur dann tatauiert, wenn sich Bewerber für sie nicht einfinden wollen.

Phot. Sir George Scott.