Abb. 433. Wasserfest der Birmanen

zur Erinnerung an den Besuch eines birmanischen Königs auf einem „magischen Floß“ in den Schanstaaten vor vielen Jahrhunderten. Das Bild, das dieses Fahrzeug darstellt, wird für elfeinhalb Monate im Kloster aufbewahrt, aber jedes Jahr im Oktober in einem festlich geschmückten Boote für einige Wochen auf dem See umhergefahren.

Phot. Sir George Scott.

Abb. 434. Birmanischer Tanz (Yein Pwè), ausgeführt von jungen Mädchen, die dazu besonderen Unterricht erhalten.

Die Mädchen stehen auf einer viel niedereren Stufe als die Knaben; sie werden nicht für voll angesehen. Sie dürfen weder in ein Kloster noch in ein Stift eintreten. Das Beste, was sie erhoffen können und weswegen die meisten von ihnen inbrünstig mit Blumen in den Händen in demütiger Haltung vor den Altären und Pagoden beten ([Abb. 440]), ist, daß sie zu ihrem nächsten Erdendasein als Männer auf die Welt kommen. Um den gleichen Zeitpunkt herum, zu dem die Knaben ihr gelbes Gewand anlegen und sich tatauieren lassen, also etwa um das zwölfte bis dreizehnte Lebensjahr, manchmal auch schon früher, werden ihnen die Ohren durchbohrt ([Abb. 442]). Die gute Sitte erfordert nämlich, daß kein Mädchen irgendeinen Schmuck anlegt, bevor es nicht diese Operation durchgemacht hat. Diese nimmt ein Ohrenbohrer von Beruf mit silbernen oder goldenen Nadeln vor, führt sie aber nicht eher aus, als bis der Astrologe, der das Horoskop des Mädchens studiert hat, ihm sagt, daß jetzt der günstige Augenblick gekommen sei. Mit teils freudigem, teils ängstlichem Gefühl sehen ihm die Mädchen entgegen; sie verfallen unter Umständen in eine Art hysterische Aufgeregtheit und müssen gewaltsam niedergehalten werden. Um ihr Geschrei bei dem Eingriffe zu ersticken, spielt eine Musikbande laute Weisen auf. Der Operateur legt einen Kork unter das Ohr und sticht die Nadel durch das Ohrläppchen. Die Nadeln bleiben eine Zeitlang in der Wunde und werden jeden Tag ein- bis zweimal hin und her bewegt, bis die Haut heil ist. Dann werden sie durch Grashalme ersetzt; täglich kommt ein neuer hinzu, bis die Öffnung so groß geworden ist, daß man einen Finger hindurchstecken kann. Der birmanische Ohrschmuck besteht weniger in einem Ohrringe, als vielmehr in einem Stifte oder einer Tube. Für gewöhnlich trägt man Bernsteinstifte, die Reichen tragen bei festlichen Gelegenheiten goldene Tuben, die an ihren Enden mit Steinen besetzt sind. Die Armen begnügen sich mit hohlen Tuben aus Glas, recht häufig auch nur mit festen Papierrollen. Auf dem Felde oder auf dem Wege zum Basar tragen die Mädchen oft auch Ersatzzigarren in den Ohren. — Beim männlichen Geschlecht beschränkt sich die Ohrläppchendurchbohrung auf die Reichen. Die mit Diamanten besetzten Ohrtuben der Schanhäuptlinge gehören in den meisten Fällen zum Staatsschatze und gehen von einem Häuptling auf seinen Nachfolger über.

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 435. Tawadeinthafest mit Padethabäumen.