Phot. P. Klier.

Abb. 440. Birmanenmädchen in Anbetung vor einem Götterschrein.

Sie halten in den gefalteten Händen Opferkerzen. Neben dem ersten Mädchen liegt eine große grüne Zigarre, die es sich sofort anzündet, wenn es sein Gebet beendet hat.

Phot. R. Grant Brown.

Abb. 441. Einweihungszeremonie.

Dem Kinde werden sieben Baumwollfäden um das Handgelenk gebunden.

Einen Todesfall geben die Angehörigen den Nachbarn stets durch lautes Wehgeschrei kund. Sofort wird eine Musikkapelle geholt, um ununterbrochen bis zur Beerdigung aufzuspielen. Der Leichnam wird auf der offenen Veranda gewaschen, von der Brust abwärts in ein weißes Baumwolltuch gehüllt und in die buntesten Gewänder gekleidet. Darauf werden ihm die beiden Daumen und die beiden großen Zehen zusammengebunden, wenn möglich mit Haaren des Sohnes oder der Tochter, falls aber keine Kinder vorhanden oder solche Haare nicht zu beschaffen sind, mittels gedrehter weißer Baumwolle. Es wird dem Verstorbenen außerdem noch eine kleine Münze in den Mund gesteckt, um damit die „Fahrgebühren“ bei der Reise ins Land der Geister zu bezahlen. Dieses alles besorgen die Verwandten. Die weitere Behandlung der Leiche, um sie für die Einsargung vorzubereiten, ist Aufgabe einer besonderen, tiefstehenden Kaste, der Sandala. Der Sarg wird aus ganz leichtem Holze angefertigt und trägt einen turmähnlichen Aufbau, der aus Bambus hergestellt und daher ebenfalls ganz leicht ist und mit allerlei Flittergold und buntem Papier behangen wird. Die Sandala graben auch das Grab auf dem Friedhofe aus, der immer westlich von der Ortschaft gelegen sein muß, unter keinen Umständen östlich davon, da diese Richtung die unglückbringende ist, auch nicht nach Norden, weil dorthin der Kopf des Gautama Buddha bestattet liegt. Dem nächsten Kloster sendet man, zum Heile des Verstorbenen, besondere Opfergaben in Eßwaren, dafür kommen ein paar Mönche und lesen Gebete und fromme Sprüche aus heiligen Büchern vor, um die Geister, die vielleicht sich einfinden und Unheil anrichten könnten, fernzuhalten. Aus dem gleichen Grunde spielt auch die Kapelle unentwegt auf der Straße. Trauerkleider werden beim Begräbnis nicht getragen; die Leidtragenden kommen alle in ihren besten Gewändern, wie zu einem heiteren Fest. Man sieht es gern, wenn Mönche dem Trauerzuge vorangehen, der sich aus Angehörigen beiderlei Geschlechtes zusammensetzt; die Männer gehen aber von den Frauen getrennt. Fremde schließen sich oft dem Zuge aus Pietätsgründen an und werden wie alle Teilnehmer von den Frauen mit Erfrischungen und Zigarren bedacht. Der Trauerzug macht vor der Leichenhalle halt; hier hört die Musik zu spielen auf. Die Mönche lesen hier noch einmal Auszüge aus den heiligen Schriften zum Heile der Lebenden wie des Toten vor und ziehen sich dann gleichfalls zurück. Der Sarg wird zum Grabe getragen und, ehe man ihn versenkt, mehrmals hin und her geschwenkt. Die nächsten Angehörigen streuen stumm ein paar Hände voll Erde über die Bretter, dann schütten die Sandala das Grab zu. Jetzt ist es noch die Aufgabe des ältesten männlichen Verwandten, den Geist des Verstorbenen einzufangen und mitzunehmen. Nach dem Glauben der Birmanen ist dieser Geist, Leipbya (das heißt sehr sinnig „Schmetterling“) genannt, solange der Mensch lebt und wach ist, bei ihm; wenn er schläft, verläßt er ihn auf einige Zeit, weswegen man einen schlafenden Menschen nicht plötzlich wecken darf, es könnte sonst seine umherschweifende Seele nicht beizeiten zurückkommen und der Betreffende sterben; wenn der Mensch aber tot ist, dann muß der Leipbya eingefangen werden, um nicht auf dem Friedhof zurückzubleiben und zum bösen Geist zu werden. Zu diesem Zwecke hält der bejahrte Verwandte ein Taschentuch hin, ruft die Worte aus: „Komm mit uns mit“ und drückt es darauf plötzlich zusammen; er glaubt dadurch den entkörperten Geist eingefangen zu haben. Das Taschentuch wird nach Hause mitgenommen, hier sieben Tage lang zwischen zwei Hauspfosten auf der linken Seite der Eingangsstufen untergebracht, und am siebenten Tage bei Anwesenheit der Mönche, die eine Art Läuterungsfest veranstalten, auseinandergenommen. Damit ist die Gefahr, daß der Geist des Verstorbenen nach dem Friedhof zurückkehren und ein Ghul werden könnte, beseitigt. Reiche Leute bewirten die leidtragenden Gäste während dieser sieben Tage; wenn ärmere dies tun, geraten sie dabei leicht in Schulden.

Phot. R. W. Marshall.