Der Büffel für das Opfer wird herbeigeschleppt.

Phot. H. Baudesson.

Abb. 464. Szene aus einer Totenfeier der Laotier.

Der Büffel wird zum Andenken an den Verstorbenen geschlachtet.

Zu einem Sterbenden wird eine Zauberin gerufen; sie streichelt den Kranken, zündet sechs kleine Kerzen an und sagt eine ganze Litanei von Beschwörungen her, wobei sie immer schneller redet, je weiter die Flammen herunterbrennen. Darauf nimmt sie den Mund voll Wasser und spritzt es in feinem Sprühregen dem Patienten auf den Magen, um anscheinend aus ihm etwas zu entfernen. Endlich schwenkt sie triumphierend einen Stein als die Ursache aller Unruhe in der Luft. Wenn trotzdem der Kranke seinem Leiden unterliegt, so trifft die Schuld hierfür ausschließlich die Angehörigen, die vielleicht eine Ziege dem bösen Geist opferten, die zu mager war, so daß er dadurch keine Befriedigung empfand. Die Leiche wird sofort in eine Kiste gelegt ([Abb. 467]) und erhält etwas Reisbrei als Nahrung für die Seele in den Mund; darauf versucht jemand durch lautes Brüllen in die Ohren den Toten ins Leben zurückzurufen. Am sechsten Tage endlich wird die Leiche durch ein Loch in der Wand hinausbefördert und auf den Friedhof getragen; die Angehörigen folgen ihr im Gänsemarsch. Damit der Tote im Jenseits auch seine Lieblingsgegenstände wieder finde, legt man sie ihm noch in den Sarg, bevor er der Erde übergeben wird. — Alljährlich finden Erinnerungsfeiern an die Toten unter großem Gepränge statt. Die Dorfbewohner rüsten sich dazu, indem sie ihre Hütten neu bedecken, ihren Boden kehren und Pfähle mit riesigen Peitschen an der Spitze errichten ([Abb. 462]), die sie außerdem mit Blätterwerk schmücken. Zu Ehren eines jeden Dorfbewohners, der im Laufe des Jahres ins Jenseits eingegangen ist, wird ein Büffel geopfert ([Abb. 463] und [464]), auf dessen blutigen Körper von einem Kinde die Kleider des Verstorbenen gelegt werden. Unter Vorantritt eines Tamtamschlägers nähert sich ihm nun die Familie, die Frauen werfen sich unter Wehklagen mit verwirrten Haaren auf die Erde, währenddessen der Zauberer mit Trauerstimme die Vorzüge des Verblichenen verkündet.

Die Moïstämme: Der mittlere Teil Indochinas (von Yünnan an bis Kotschinchina herunter) wird von einer Reihe „wilder“ Stämme bewohnt, die man, zumal sie in ihrem Äußeren und auch in ihrer Kultur ziemlich übereinstimmen, unter der Kollektivbezeichnung der Moï zusammenfaßt. Je nach dem Gebiete, in dem sie wohnen, führen sie andere Namen, so nennt man sie zum Beispiel in Annam im besonderen Moï, in Kambodscha Peurong, in Laos Khas und so weiter. Sie bieten einen ziemlich einheitlichen Typus dar, der auf Verwandtschaft mit den Indonesiern einerseits und den Chinesen anderseits hinweist. — Die Moïstämme sind Jäger, betreiben aber auch primitiven Ackerbau. Sie ernten die Reisfrucht noch durch Abreißen mit den Händen und kochen ihr Wasser in hohlen Bambusröhren. Sie gehen zumeist noch unbekleidet einher und benutzen primitive Waffen, Speere, Bogen und vergiftete Pfeile.

Phot. Henri Maitre.

Abb. 465. Opferhütte der Moïstämme.