Die Nichteingeladenen stürzen sich über die Mahlzeitreste her, die für sie bereitgestellt wurden.

Die Religion der Laotier ist eine abgeschwächte Form des Buddhismus auf der üblichen animistischen Grundlage. Jedem wichtigen Ereignis im Leben muß eine Opfergabe, zumeist aus einem Krug Reiswein bestehend, vorausgehen. Beim Genuß dieses Getränkes, das nicht länger als zwei Monate und nicht kürzer als zehn Nächte gegärt haben darf, wird eine bestimmte Zeremonie beobachtet. Der Krug wird an einer Stange befestigt, darauf versenkt der Häuptling einen langen hohlen Rohrstock, an dessen Ende eine Kerze zum Vertreiben der bösen Geister brennt, in die Flüssigkeit, und ein jeder der Anwesenden muß den Mund vollsaugen; ist der Krug leer, wird er von neuem gefüllt. Zahlreiche Feste werden hier ebenso wie in Siam auch anderwärts gefeiert. Beim Feste des „Endes des Kalenders“, das unserem Neujahrsfest entspricht, wird das alte Jahr unter großem Gepränge hinausgeleitet. Die jungen Mädchen bespritzen dabei die Jünglinge entweder mit wohlriechendem Wasser oder auch mit Schmutz, was diese ihrerseits mit Humor aufnehmen; Schauspieler legen sich zur Erinnerung an die ersten Menschen von Laos, die ein zottiges Fell besaßen, ähnliche Gewänder an, setzen sich bizarre Gesichtsmasken mit beweglichen Kinnladen auf, knien nieder, schreiten im Takte einher und halten Reden, in denen sie jedermann im neuen Jahre alles erdenkliche Gute wünschen ([Abbild. 459]).

Der Verlobung der jungen Leute pflegt ein umfangreiches Flirten vorauszugehen. Wenn die Feldarbeit getan ist, dann finden die jungen Burschen Zeit, den Mädchen den Hof zu machen. Diese stellen sich, wenn sie das heiratsfähige Alter erreicht haben, mit buntschillernden Schärpen angetan auf besonders dazu erbauten Bühnen jenen zur Schau. Vor ihnen brennen Lampen ähnlich den Rampenlichtern eines Theaters, ein Tablett mit Betelpriemen und Speinapf (Bambusglied) wandert von Hand zu Hand. Die jungen Männer hocken vor den Mädchen und erschöpfen sich in allerhand Artigkeiten in Versen, die die Mädchen schlagfertig mit lustigen und selbst spitzigen Worten erwidern. Endlich kommt es dabei zur Verlobung und zur Hochzeit, deren Zeremonien denen in Siam und Kambodscha im allgemeinen gleichen. Bei bestimmten wilden Stämmen werden dem Paare von einem Zauberer einfach die Hände mit einem Baumwollfaden zusammengebunden, nachdem ein Huhnopfer vorausgegangen ist ([Abb. 458]). Die Frauen bringen an Geschenken in lange Streifen geschnittenes rohes Fleisch, zu Kugeln geformten Reisbrei, gebratene Heuschrecken und Reiswein dar. Tanz und Gesang unter Musikbegleitung auf primitiven Instrumenten beschließen die Hochzeit ([Abb. 460] und [461]).

Phot. H. Baudesson.

Abb. 462. Stangen mit wippenden Peitschen,

die zu Ehren eines Toten von den Laotiern errichtet werden.

Phot. H. Baudesson.

Abb. 463. Szene aus einer Totenfeier der Laotier.