Abb. 459. Vermummungen der Laotier beim „Feste des Kalenderendes“.
Da das Familienleben der Annamiten sich auf dem Ahnenkult aufbaut, so kommt dem Begräbnis, durch das der Verstorbene zu den Ahnen aufrückt, die größte Bedeutung zu; es muß unter feierlichen Zeremonien begangen werden, weil sonst die Seele des Toten in die Hölle kommen würde. Dem Sterbenden wird ein Stück weißer Seide, die „weiße Seele“ auf die Brust gelegt, damit sich darin die scheidende Seele beim letzten Atemzuge verfange. Priester halten die Leichenwache bei brennendem Räucherwerk; vor der Tür wird kleines Kupfergeld ausgestreut, um die bösen Geister anzuziehen. Nachdem der Tote mit besonderem Weihwasser gewaschen und von seinen Söhnen und Enkeln angekleidet worden ist, erhält er die „letzte Mahlzeit“, ein paar Reiskörner und etwas Geld, in den Mund gesteckt und wird in einen möglichst reich und kunstvoll ausgestatteten Sarg gelegt. Dieser wird geschlossen, mit allerlei Amuletten bedeckt und auf einen mächtigen Katafalk aus Holz gestellt ([Abb. 456]), der einem mehrstöckigen Gebäude nicht unähnlich sieht und rot sowie mit Goldlack angestrichen ist. Die Angehörigen, welche die in Indochina übliche weiße Trauerkleidung angelegt haben, umgeben ihn unter Wehklagen. Nachdem ein Zauberer noch den Paß für die große Reise ausgestellt hat, wird die Leiche auf den Friedhof überführt. Voran geht ein Mann mit einer brennenden Fackel, ihm folgt ein anderer mit einem Banner, dessen Inschrift oder Form Rang und Stand des Verstorbenen verkündet, dahinter gehen Leute, die Gegenstände aus Gold- und Silberpapier verteilen, in der Voraussetzung, daß die bösen Geister sie mit großer Befriedigung aufnehmen. Weiter folgt dann die „Halbkutsche der Seele“, oft von Musikanten umgeben. Es ist dies ein kleiner, mit Perlen aus Goldpapier verzierter Aufbau, der in den Falten der „weißen Seele“ eine rotlackierte Gedenktafel mit der Darstellung des Verstorbenen in seinem neuen Range, ferner einen kleinen Altar, winzige Papiermodelle von Gegenständen, die dem Toten teuer waren, Kleider, Gebrauchsgegenstände und Goldpapierstangen trägt. Ganz zuletzt kommen mitten in einer Musikbande der Leichenwagen selbst und vor ihm noch, aber rückwärts tretend, die Söhne und Schwiegersöhne des Verstorbenen. Die übrigen Familienangehörigen folgen in weißer Kleidung. Auf dem Begräbnisplatz wird die „weiße Seele“ dreimal davon in Kenntnis gesetzt, daß der Tote begraben wird, was dann auch geschieht; sie selbst aber wird in feierlichem Zuge ins Haus zurückgebracht, wo die Gedenktafel auf dem Ahnenaltar ([Abb. 457]) Aufstellung findet. Fünfzig Tage oder ein Jahr darauf geben die Erben allen Teilnehmern beim Begräbnis ein Festessen.
Phot. H. Baudesson.
Abb. 460. Ein Musiker, der dem jungverheirateten Paare eine Serenade darbringt.
Das Instrument ist ein Flaschenkürbis, an dem drei Bambusflöten befestigt sind.
Die Bevölkerung des Laosgebietes umfaßt eine Anzahl Stämme, zumeist arischer oder indonesischer Abstammung, die hauptsächlich die Täler der großen Flüsse Mekong, Menam und Salouen längs der westlichen Grenze Annams bewohnen. Die Laotier sind von mittlerer Größe, wie die Annamiten, indessen noch mehr untersetzt. Sie zeichnen sich durch ziemliche Intelligenz und Sanftmütigkeit aus. Die Kleidung der Männer gleicht der der Annamiten, die Frauen tragen einen längsgestreiften, bis an die Fußgelenke reichenden Rock und eine Schärpe von irgend einer auffälligen Farbe. Ihre Haartracht ist je nach der Gegend verschieden; die der verheirateten Frauen unterscheidet sich im allgemeinen von der der jungen Mädchen. Die Männer tragen das Kopfhaar kurz geschnitten.
Phot. H. Baudesson.
Abb. 461. Szene vom Hochzeitsfest der Laotier.