Aus: Kraemer, Samoainseln.
Abb. 44. Eine große Rolle mit konservierten Lebensmitteln,
wie sie auf den Marshallinseln aus Pandanusnüssen bereitet werden. Diese Rollen werden aufbewahrt und dienen als Proviant für längere Reisen.
Phot. J. W. Walters.
Abb. 45. Zubereitung der Kava.
Die Wurzel des Rauschpfeffers wird zerstoßen oder gekaut, dann wird die Masse mit Wasser gemischt und hierauf durch ein Faserbündel geseiht.
Eine eingehendere Behandlung erfordern die Zubereitung der Kava ([Abb. 45]), des Nationalgetränkes der Polynesier, sowie die Zeremonien des Kavatrinkens. Die Gewohnheit des Kavatrinkens erstreckt sich nicht nur über ganz Polynesien, mit Ausnahme der südlichen Gebiete von Neuseeland und die Chataminseln, und Mikronesien (Karolinen), sondern kommt auch auf Neuguinea und verschiedenen anderen Inseln Melanesiens vor. Der Kavatrank wird aus der Wurzel einer Pfefferart, des Rauschpfeffers (Piper methysticum For.) gewonnen. Die ursprüngliche Methode der Zubereitung bestand darin, daß man die zerkleinerte Wurzel vollständig, etwa zehn Minuten lang, zerkaute, sie mit dem dabei angesammelten Speichel, von dem nichts verschluckt werden durfte, in ein Gesäß ausspie und das Ganze hierin mit Wasser oder auch Kokosmilch verdünnte. Auf den Tonga- und Marquesasinseln, auch auf Fidschi waren es Jünglinge oder Knaben mit guten Zähnen und gesunder Mundhöhle, die das Kauen der Wurzel besorgten, auf Samoa und Tahiti aber junge Mädchen, die sich vorher die Hände waschen und den Mund ausspülen mußten. Auf Samoa im besonderen fiel dieses Amt einer Häuptlingstochter, der Dorfjungfrau oder Taupu zu ([Abb. 46]), die allgemein ein großes Ansehen genießt. Schon in der frühesten Jugend wird eine Häuptlingstochter für diesen Posten ausgewählt, den sie bis zu ihrer Verheiratung ehrenamtlich bekleidet. Sie wird bis ins kleinste hinein in allen geselligen Talenten, besonders im Tanzen, ausgebildet; auf ihre äußere Erscheinung wird großer Wert gelegt und nirgends geht sie hin, ohne von zwei Anstandsdamen begleitet zu sein, denn ihr guter Ruf muß sorgfältig behütet werden. Natürlich ist sie von aller anstrengenden Arbeit befreit. Zur Reifezeit nimmt sie ihre gesellschaftlichen Pflichten auf, die darin bestehen, daß sie, wenn großer Besuch ins Dorf kommt, die Wirtin macht, die Gäste begrüßt und bei festlichen Gelegenheiten die Kavabowle darreicht (früher auch vorher kaute), sowie den Tanz anführt. — Die Sitte des Kavakauens ist jetzt vielfach abgekommen zugunsten des Reibens mit Steinen. Auf Samoa benutzt man auch Maschinen.