Aus: Hesse-Wartegg, Samoa.

Abb. 46. Samoanische Taupu im Blumenschmuck und mit einem Halsband aus Walfischzähnen.

Das Kavatrinken spielt bei den meisten Zeremonien ([Abb. 48]) eine sehr große Rolle und ist das unvermeidliche Vorspiel für alle Erörterungen politischer Angelegenheiten. Auf Tonga setzen sich bei einer solchen Zeremonie alle diejenigen, deren Rang es zuläßt, in einem Oval nieder, das eine Ende nimmt der erste Häuptling ein, das andere aber bleibt offen, denn hier steht die große hölzerne Schüssel für die Zubereitung der Kava, und hinter ihr sitzt, dem präsidierenden Häuptlinge gegenüber, der Zubereiter und an jeder Seite ein Gehilfe, der eine mit einem Fächer bewaffnet, um die Fliegen fernzuhalten, der andere mit mehreren großen Schalen Wassers. Hinter ihnen kauern die Zuschauer, deren Rang nicht gestattet, in dem Kreise der Auserwählten Platz zu nehmen. Die zerkleinerte Wurzel wird in die Schüssel getan; diese Tatsache kündet der Zubereiter mit einer stereotypen Phrase an, worauf einer der dem präsidierenden Häuptlinge zur Seite sitzenden Matabule, das ist Knappen, ihm mit dem Worte „Mische“ antwortet. Ein Gehilfe gießt nun Wasser auf, und der Zubereiter knetet die Masse mit beiden Händen, bis sie die erforderliche Festigkeit angenommen hat. Die Flüssigkeit wird dann durch ein Büschel aus Hibiskusfasern mittels Auswindens filtriert und das Getränk ist mundfertig. Die Gehilfen füllen nun die aus halben, dünn geschliffenen und fein geglätteten Kokosschalen hergestellten Trinkbecher an und der Matabule ruft die Namen derjenigen auf, denen sie gebracht werden sollen, wobei sehr wichtig ist, daß die Reihenfolge in der anerkannten Rangfolge gewahrt wird. Der Empfänger klatscht in die Hände, um zu zeigen, wo er seinen Platz hat. — Auf Samoa, wo die Eingeborenen mit großer Hartnäckigkeit an der alten Sitte des Kavatrinkens festhalten, spielt sich die Zeremonie in ziemlich der gleichen Weise ab. Bei der Verteilung des Trankes an hohe Häuptlinge wird indessen nicht ihr Name, sondern der ihres Bechers ausgerufen. In früheren Tagen war die Zeremonie des Kavatrinkens noch mit religiösen Riten verbunden. Sobald das Kavatrinken einen offiziellen Anstrich hat, sind überall die Frauen von der Teilnahme ausgeschlossen, sonst aber nehmen sie dieses Getränk sehr gern zu sich, und auf Viti Lewu und Tonga soll es wirkliche Kavakränzchen geben, die ausschließlich von Frauen besucht werden. — In kleinen Mengen oder in schwacher Lösung getrunken, bildet die Kava ein ungemein erfrischendes und kühlendes Anregungsmittel, in größeren Mengen übt sie eine leicht narkotisierende Wirkung aus, die das Gefühl von Behaglichkeit, Zufriedenheit und Glückseligkeit schafft.

Großen Fleiß und peinliche Sorgfalt verwenden die Polynesier auf den Bau ihrer Wohnstätten, namentlich auf den ihrer Klubhäuser (siehe die [Kunstbeilage]), die sie kunstvoll verzieren, eine bedeutende Leistung in Anbetracht der primitiven (Stein-)Werkzeuge, die ihnen vor Einführung der Metallinstrumente hiefür zur Verfügung standen.

Phot. Freih. v. Rummler.

Abb. 47. Bewohner der Insel Jap mit Ringgeld.

Phot. Josiah Martin.

Abb. 48. Feierliches Kavatrinken auf Tonga.