Der präsidierende Häuptling sitzt links auf einer Matte, ihm gegenüber befindet sich die Schüssel mit der Kava. Der davorsitzende Tonganer kämmt eben das Faserbündel aus, mit dem er die Kava durchgeseiht hat. Neben dem Häuptling sitzt je ein Matabule, die als Vorsichtsmaßregel für den Häuptling zuvor von der Kava trinken.
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GRÖSSERES BILD
Schließlich sei noch ein eigenartiges Münzsystem auf Mikronesien, speziell auf den Karolinen erwähnt. Es besteht aus kreisförmigen, Mühlsteinen ähnlichen Steinen, die in der Mitte durchbohrt sind ([Abb. 47]). Der stolze Besitzer mehrerer dieser mächtigen Steine gilt für reich. Indessen eignen sich diese „Münzen“ nicht für den praktischen Gebrauch, sondern mehr zur Zierde, zumal sie vor den Häusern aufgestellt zu werden pflegen. Leichter zu handhaben sind die niedrigeren Werte, zum Beispiel ganze Perlmuschel- oder Muschelscheibenschnüre, wie sie auf ganz Ozeanien üblich sind.
Aus „Kolonie und Heimat“.
Abb. 49. Hausboot der Fidschiinsulaner.
Die Fidschiinseln.
Trotzdem die Fidschigruppe geographisch und anthropologisch noch zu Melanesien zählt, schließen wir sie doch an Polynesien an, weil infolge des regen Verkehrs, der seit langem zwischen ihr und den nächstgelegenen polynesischen Inseln sich entwickelt hat, ihre Bewohner mit der Zeit ihren rein melanesischen Charakter verloren haben und durch den polynesischen Kontakt in ihren Sitten und Gebräuchen stark beeinflußt worden sind.
Die gewöhnliche Bekleidung des heutigen Fidschianers besteht in einem Lendentuch aus europäischem Stoff und einem Hemd, während sie früher aus langgestreiften Blättern und von den Eingeborenen selbst gewirkten Geweben ([Abb. 52]) oder aus Rindenstoff ([Abb. 54]) bestand; bei zeremoniellen Anlässen fügen Standespersonen wohl noch einen Tapastreifen hinzu, der um den Körper geschlungen wird ([Abb. 53]). Es ist diese Sitte ein Überbleibsel aus alter Zeit, wo der Rock eines Häuptlings ein einziger Rindenstreifen war, dessen Länge jedoch über hundertsechzig Meter betrug. Die Frauen sind heutzutage mit einem Faltenrock und einem blusenartigen Gewand bekleidet, oder tragen auch ein Kleid, das dem polynesischen Hänger ähnlich ist; in abgelegenen Dörfern des Innern dagegen ist noch der gefranste Gürtel aus Rindenfasern, das echte Kleid der Eingeborenen, anzutreffen. — Die alte Mode, das Kopfhaar mit Kalk zu bleichen, besteht noch, obgleich das Färben mit roter Farbe oder mit Ruß eine gefällige Abwechslung abgibt. Die Frauen behandeln ihr Haar so ziemlich gleichmäßig; unverheiratete Mädchen aber tragen manchmal noch die lange Strähne ([Abb. 50]), die sie, wie in früheren Tagen, als Jungfrau kennzeichnete und bei der Hochzeit feierlich abgeschnitten wurde.