Die übliche Wohnung der Fidschianer ist das rechteckige Haus mit langem Firstdach: oft steht es auf einem ein bis zwei Meter hohen Erdhügel, der um so größer ausfällt, je höher der betreffende Bewohner im Ansehen steht. Als Material werden häufig dicke Lagen Gras verwendet ([Abb. 51]). — Bei Fahrten über See werden auf den Booten ähnliche Häuser aufgebaut ([Abb. 49]).
Das Kind der Fidschiinsulanerin kommt für gewöhnlich mit Hilfe einer weisen Frau auf die Welt. Wird es tot oder besinnungslos geboren, dann versucht man es durch das Geräusch einer Klapper mit Kürbiskernen wieder zum Leben zu erwecken. Verläuft alles gut, so wird das Kind nach der Geburt gewaschen und erhält den Saft eines Kerzennußbaums in den Mund geträufelt, damit es sich zunächst übergibt; dann erst bekommt es seine erste Nahrung, bestehend aus zerkleinerter und zerkauter gerösteter Kokosnuß oder Banane.
Die Mädchen werden tatauiert, sobald sie sich dem Reifealter nähern, um dieses äußerlich zu kennzeichnen. Die Muster beschränken sich dabei größtenteils auf die Rumpf- und Lendenteile, die der Rock bedeckt. Die Finger bekommen auch ein paar Zeichen eintatauiert, um sie hervorzuheben, wenn sie dem Häuptlinge Speise darreichen. Frauen schmücken sich auch manchmal mit wuchernden Narben in bestimmten Mustern auf Arm und Rücken, die sie dadurch erzeugen, daß sie sich die Haut mit einem glühenden Stück Holz einbrennen lassen und das Zusammenheilen wochenlang künstlich verhindern. — Die Knaben werden beschnitten ([Abb. 55]).
Phot. Dr. Thilenius.
Abb. 50. Junge Fidschiinsulanerin
mit der typischen Haarsträhne der Unvermählten.
Von den Unterhaltungen besitzt der Tanz, wie wohl überall unter den Naturvölkern, die größte Anziehungskraft; daher pflegt er bei den meisten Freudenfesten wohl nie zu fehlen. Der Sitztanz, wie wir ihn in Polynesien finden, hat hier zwar auch Eingang gefunden, aber charakteristischer und beliebter sind die richtigen „Balletttänze“, welche von einer großen Anzahl Tänzer aufgeführt werden. Sie sind mimischer Natur, so zum Beispiel halten die Tanzenden lange Tapastreifen und schwingen sie, um die sich brechenden Kämme der Brandung zu veranschaulichen ([Abbild. 56]). Die besten Tänze jedoch sind die, welche bewaffnete Krieger aufführen und einen Kampf mit Keule und Speer, wie er früher unter den primitiven Verhältnissen üblich war, versinnbildlichen ([Abbildung 57]). Hier sind die Fidschianer ganz in ihrem Elemente. Personen, die solche Tänze gesehen haben, können nicht genug die Exaktheit in den Bewegungen — ein Beobachter erzählt, daß dieselben mit Armen und Füßen von zweihundert Menschen so genau ausgeführt wurden, daß man den Eindruck hatte, sie säßen alle wie Marionetten an einem Drahte — und das Feuer, ja die Wildheit hervorheben, die die Fidschianer bei ihren Kriegstänzen zur Schau trugen. Nach dem Tanze wurde der umfangreiche Schmuck, den die Tänzer trugen, unter die Zuschauer verteilt.
Die am meisten charakteristischen Spiele der Fidschiinsulaner sind Lafo und Tiqa (tinkua gesprochen). Das erstere, das auch in Samoa und Tonga Eingang gefunden hat, wird mit Kokosnüssen gespielt. Die Hälften eines in der Mitte gespaltenen Palmblattes werden mit nach oben zeigenden Rippen auf die Erde gelegt und darüber wird eine lange Matte ausgebreitet, an deren Ende je zwei Spieler sich niederlassen; jedes Paar erhält fünf Kokosnußscheiben in abgestuften Größen. Man beginnt auf der einen Seite und wirft die kleinste Scheibe so nahe wie möglich an das andere Ende der Matte; die andere Partei wirft ihre dazu passende Scheibe noch näher an das Ende oder stößt die Scheibe des Gegners herunter. So wirft man die Scheiben der Größe nach abwechselnd weiter und derjenige, dessen Scheibe beim Aufhören des Spiels dem Rand der Matte am nächsten liegt, hat gewonnen. Darauf nimmt das andere Paar das Spiel von neuem auf. — Tiqa ist ein Spiel, das mit einem sonderbaren Wurfgeschoß ausgeübt wird; es besteht aus einem kegelförmigen polierten Kopf aus hartem Holz, an dessen Ende ein langes Rohr eingepaßt ist. Der Spieler stützt dieses Rohr auf den Mittelfinger und wirft den Apparat mit einer dem Kegeln ähnlichen Bewegung; die Tiqa fliegt durch die Luft und streift dann die Erde eine ziemliche Strecke entlang; der längste Wurf gewinnt das Spiel. Auf Fidschi besitzt beinahe jedes Dorf seinen Tiqaplatz, auf dem die Bewohner des einen gegen die des anderen mit großer Begeisterung Wettspiele abhalten.