Aus: Kraemer, Samoainseln.

Abb. 8. Samoanisches Mädchen in Mattenkleidung

und mit einer Halskette von Walfischzähnen.

Auf Neuseeland wurde die Tapa niemals angefertigt, denn hier besaß man in dem einheimischen Flachs ein viel besseres Kleidermaterial. In früheren Tagen trugen beide Geschlechter daraus hergestellte Faltenröcke, dazu einen vielfach noch mit Federn geschmückten Schultermantel ([Abb. 6] u. [10]), der bei der Arbeit und beim Tanz abgelegt wurde. Das Weben von Stoffen, das hauptsächlich von den Weibern betrieben wurde, trug den Charakter einer heiligen Zeremonie; es wurde von besonderen Priestern gelehrt, und an die verschiedenen Stadien des Webens knüpften sich besondere Zaubersprüche. Außerdem mußten dabei die unvermeidlichen Tabu beobachtet werden, auf deren Vernachlässigung Strafen durch übernatürliche Wesen folgten. — In Mikronesien bestehen die Kleider, obgleich hier wohl an einigen Plätzen Tapa gewonnen wird, aus Blättern und Matten. Auf den Marshallinseln sieht man die alten Gewänder nur noch selten; sie bestehen beim Manne in einem Bastrock, eigentlich aus zwei durch ein Band miteinander verbundenen Büscheln mit langen Fransen; das Band kommt auf den Damm zu liegen, und die beiden Quasten werden vorn und hinten hochgenommen und durch einen Leibgürtel in dieser Lage festgehalten, über den sie nach vorn und hinten fallen, so daß die beiden Seiten des Oberschenkels und die Hüften unbedeckt bleiben und beim Gehen die Tatauierung an diesen Stellen sichtbar wird. Das Kleid der Frauen setzt sich aus zwei Matten zusammen, die hinten und vorn getragen werden. — Auf den Gilbertinseln verhält sich die Art der Bekleidung gerade umgekehrt; die Männer tragen hier Matten, die Frauen aber faltenreiche Röcke aus Pandanusblättern ([Abb. 13]). Auf den Karolinen dagegen, wo bereits der Webstuhl in die Erscheinung tritt, besteht die Männerkleidung in prächtig gewebten Gürteln aus Pflanzenfasern und für zeremonielle Zwecke in einem kurzen Rock aus schmal geschnittenen und oft strahlend gelb gefärbten, sorgfältig gekräuselten Kokosblättern. Die Nationaltracht der Frauen ist ein weiter, aus Borte gewebter Rock, der von der Taille bis auf die Knie reicht. — Eine besondere, auf den Gilbertinseln bestehende Sitte, die sich auf die Toilette bezieht, mag noch hervorgehoben werden. Hier sammeln die Frauen am Riff einen Wurm, der eine große Menge Jod enthält, und verreiben ihn auf ihrem Körper, wodurch diesem ein Duft mitgeteilt wird, der ihre Anziehungskraft sehr steigert.

Eine seltsame Rüstung trifft man auf den Gilbertinseln an. Sie besteht in einem aus Kokosfasern dicht geknüpften Beinkleid und einem Panzer aus dem gleichen Material, der auf der Rückseite einen sich fächerartig hinter dem Kopf erhebenden Nackenschutz besitzt und vorn noch eine Brustplatte oder einen Gürtel aus der hornartigen Haut des Stachelrochens trägt; dazu kommt ein Helm aus der Haut des Igelballonfisches und Handwaffen (Speere und Dolche), die auf beiden Seiten dicht mit Haifischzähnen besetzt sind ([Abb. 16] und [18]).

Aus: Kraemer, Samoainseln.

Abb. 9. Samoanisches Langhaus.

Im Vordergrund ist ein Fischnetz zum Trocknen ausgespannt, rechts im Hintergrund steht eine Bananenpflanzung, links vorne ein Apfelsinenbaum.