Phot. Lady Eardley-Wilmot.

Abb. 208. Szene von einem mohammedanischen Begräbnis.

Die Angehörigen und Freunde sitzen um das Grab, während es zugeschaufelt wird.

Auch die Mohammedaner Indiens begraben ihre Toten ([Abb. 208] und [211]). Sie werden ebenfalls erst gründlich gebadet, mit einem Lendentuch umhüllt und in ein großes Laken gewickelt, der Kopf wird durch ein Loch der Umhüllung gesteckt. In Sindh kommen die Frauen der Verwandten und der befreundeten Häuser in das Trauerhaus und erheben vor der Tür für mehrere Stunden ein Trauergeheul ([Abb. 210]). Auf dem Friedhof wird die Leiche, nachdem dann weiter Gebete gesprochen worden sind, mit dem Kopf nach Norden ins Grab gelegt. Einen Sarg kennen die Mohammedaner nicht, dafür aber befestigen sie den Körper mit Bambusstäben oder Brettern, überdecken ihn mit Gras und bestreichen das Ganze mit Lehm. Beim Zuschaufeln der Gruft beteiligen sich die anwesenden Familienmitglieder. Frommen Bettlern werden die üblichen Geschenke verabreicht. Zu Hause kocht man während der nächsten Tage nichts; Verwandte versorgen die Leidtragenden mit Speise. Am dritten Tage endlich findet die Totenfeier ihren Abschluß mit einer merkwürdigen Zeremonie. Alle männlichen Familienangehörigen versammeln sich auf einem freien Platz, wo Getreide, Blumen, Betelblätter und Sorbet zusammengetragen sind. Jeder Anwesende nimmt ein Korn auf, segnet es mit einem feierlichen Spruch und läßt es auf ein Tuch fallen, bis der ganze Haufe verbraucht ist. Die Getreidekörner verteilt man sodann an Bettelmönche, den Sorbet aber trinkt man selbst; dabei wird ein bestimmtes Kapitel aus dem Koran vorgelesen.

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 209. Szene von der Bestattung eines Hinduhandwerkers.

Der Leichnam, der mit gekreuzten Beinen auf einer Tragbahre sitzt, wird zur Grabstätte getragen und in dieser Haltung auch beigesetzt.

Phot. The C. E. Z. M. S.