Die Scheidung ist im allgemeinen leicht. Will eine Frau ihre Freiheit wieder haben, so wendet sie sich an den Rat der Alten ihres Stammes und trägt ihm ihre Klagen vor; findet dieser sie begründet (Mißhandlung oder Unverträglichkeit von seiten des Mannes), so billigt er die Trennung der Gatten. Anderseits kann auch der Mann eine Scheidung beanspruchen, wenn er von seiner Frau keine Kinder bekommt.

Phot. W. Crooke.

Abb. 238. Tanzende Weiber vor dem Tempel des Mahasu oder der vier Gottheiten bei Mussaorie.

Nach dem Grundsatze, daß die Frau gleichsam gekauft wird, geht sie in das Eigentum der Familie des Mannes über. Stirbt ihr Gatte, dann wird sie gewöhnlich einem seiner jüngeren Brüder als Ehefrau übertragen, jedoch nie einem älteren Bruder, denn das ist streng verboten. Nur wenn kein Verwandter ihres verstorbenen Mannes sie zur Frau haben will, kann sie sich an einen Fremden verheiraten, aber dieser muß für gewöhnlich eine Vergütung an die Freunde ihres ersten Gatten zahlen. Weil man den Zorn des Geistes des Verstorbenen fürchtet, pflegen die Hochzeitszeremonien im geheimen und des Nachts stattzufinden; auch wirft der neue Besitzer ein Tuch über sie und bespritzt die Haare mit Mennige. Die junge Frau ihrerseits trägt, um den Geist ihres verstorbenen Gatten zu versöhnen, ein Götzenbild aus Gold oder Silber um den Hals und bringt, falls sie einen Witwer heiratet, dem Bilde seiner verstorbenen Frau jedwedes Geschenk als Opfer dar, das sie von ihrem neuen Gatten erhalten sollte.

Die meisten Dschungelbewohner begraben ihre Toten, und nur bei den Stämmen, die von der Hinduzivilisation bereits beeinflußt worden sind, werden sie verbrannt. Die ganz wilden Stämme entledigten sich früher ihrer Toten einfach durch Aussetzen in den Dschungel, heutzutage kommt dieses Verfahren wohl nur noch für ganz kleine Kinder und Aussätzige, deren Krankheit der Verhängung durch eine beleidigte Gottheit zugeschrieben wird, in Betracht. Beim Begräbnis legt man dem Toten Geld in den Mund, damit sein Geist auf der Reise ins gelobte Land, das im Westen liegt, weiterkomme; auch fügt man öfters Speise, Getränke, Kleidung und Waffen (aber in zerbrochenem Zustande) bei, damit er sich dieser Dinge im Jenseits bediene. Allgemein wirft man in das Grab auch einige Kupfermünzen, um dadurch die Erdgöttin wegen der Störung, die sie durch das Begräbnis erfährt, milde zu stimmen. Handelt es sich um einen angesehenen Mann, dann legt man auf sein Grab noch einen Stein als Ruheplatz für seinen Geist und bringt ihm zu bestimmten Zeiten Trank- und Speiseopfer dar. Bei Leuten, die verunglückten oder einem Tiger oder einer Schlange zum Opfer fielen, werden besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen, weil man fürchtet, daß die Geister nachtragend sein könnten. Man errichtet ein Steingrab über dem Toten, damit sein Geist unten gehalten werde, oder füllt die Grube mit Dornen auf, daß er sich nicht fortbewege; manchmal wird die Leiche auch mit dem Gesicht nach unten beigesetzt. Ist ein Mensch durch einen Tiger getötet worden, dann begibt sich der Baigapriester an den Ort, wo sich das Unglück abspielte, und baut dort aus der blutdurchtränkten Erde einen kleinen Kegel auf, der den Toten vorstellen soll; sodann treibt er allen möglichen Hokuspokus und ahmt unter anderem auch den Überfall des Tigers nach, wobei ihn ein anderer von hinten her als Bluträcher unterstützt. Der Lehmkegel wird sodann auf einen Ameisenhügel gestellt und ein Schwein darüber geopfert. Am nächsten Tage wird noch ein mit Mennige gezeichnetes Hühnchen, das den Geist des Verstorbenen darstellen soll, dorthin gebracht und schließlich in den Dschungel getrieben. Ähnliche Versöhnungsgebräuche werden noch eine Reihe von Jahren an der gleichen Stelle vollzogen.

Phot. F. B. Bradley-Birt.

Abb. 239. Santal beim Tanzen des Pak Don.

Der Pak Don (Schwert- und Schildtanz) wurde früher zu Ehren einer siegreichen Schlacht oder bei der ruhmreichen Heimkehr des Stammes getanzt. Die Tänzer gehen dabei im Kreise herum und schwingen ihre Schilde und Stäbe (an Stelle von Schwertern).