Am achten Mondtage des Monats Chait badet man zu Nangalbandh im Brahmaputra, um seine Sünden loszuwerden.
Bei den Stämmen in Bengalen und Orissa, also den nördlichen Drawida, besteht die wichtigste Handlung des Vaters des Bräutigams, nachdem die Vorverhandlungen in der schon geschilderten Weise eingesetzt haben, darin, daß er dem Vater der Braut das Lorie bringt, einen kurzen (etwa drei Fuß langen) Bambusstock, der den Familiengott bergen soll. Dieser behält ihn einige Tage bei sich und bringt ihn dann der Familie des Bräutigams wieder zurück, womit er andeutet, daß ihm der in Vorschlag gebrachte Schwiegersohn willkommen ist und die Angehörigen der Braut gewillt sind, die Hochzeit vorzubereiten. Bei den Besuchen werden viel geistige Getränke, im besonderen Haria, eingenommen, so daß beide Parteien bereits in einen vorgeschrittenen Zustand der Trunkenheit gelangt sind, ehe die Verhandlungen zu Ende geführt werden. Am Vortage der Hochzeit begeben sich die Braut und ihre Familie unter Begleitung ihrer ganzen Freundschaft nach dem Hause des Bräutigams und schlagen in kurzer Entfernung vor ihm ein Lager auf; hier finden sie reichlich Erfrischungen vor, vor allem ein reichliches Quantum Haria. Die ganze Nacht wird unter dem Lärm der Tamtams und dem Getöne der Hörner und Pfeifen gefeiert. Mit dem Morgengrauen des nächsten Tages setzt sich der Bräutigam ganz feierlich vor seinem Hause auf einen Schemel und erwartet seine Braut. Bei ihrem Erscheinen verbeugt er sich vor ihr und läßt sie auf einem ähnlichen Schemel neben sich Platz nehmen. Wenn beide so zum erstenmal als Braut und Bräutigam zusammensitzen, macht der Baiga oder Priester den Versuch, in ihre Zukunft zu blicken und ihr Schicksal ihnen vorauszusagen, und dies auf eine ganz merkwürdige Weise. Nachdem er nämlich beiden je eine Haarlocke von der Mitte der Stirn genommen und auf den Nasenrücken herabgezogen hat, gießt er oben Öl auf den Kopf und beobachtet aufmerksam, wie es an der Locke herabträufelt. Läuft es in gerader Linie auf die Nasenspitze herab, dann wird die Zukunft eine glückliche sein; verbreitet es sich aber über die Stirn oder träufelt es zu beiden Seiten der Nase herab, so steht mit Bestimmtheit Mißgeschick zu erwarten. Für gewöhnlich aber sagt der Baiga eine glückliche Zukunft voraus, natürlich wenn man ihm vorher ein gutes Geschenk in Aussicht gestellt hat. Darauf bemalen Braut und Bräutigam sich gegenseitig mit Sindur (künstlichem Zinnober) die Stirn, wobei sie zwar nebeneinander stehen, aber die Gesichter abwenden müssen, denn es ist von größter Wichtigkeit, daß keiner während dieses wichtigen Vorganges, der das Paar schließlich zu Mann und Frau macht, von dem anderen auch nur einen flüchtigen Blick auffängt. Hieran schließen sich Musik und Tanz. Gegen Abend nimmt der Priester, der die ganze Zeit über für das neuvermählte Paar gebetet hat, beide an die Hand, führt sie ins Haus und schließt sie hier sorgfältig ein. Draußen versammeln sich die Gäste unter vielem Gelächter und verbrennen aus Übermut möglichst viel getrocknete Cayennepfefferschoten dicht vor der Tür und den Fenstern, damit der Rauch in das Zimmer dringe und die jungen Eheleute zum Niesen bringe, was aber für das allerschlimmste Omen gilt. Um daher dem Unfug ein Ende zu machen und der Gefahr des etwaigen Niesens aus dem Wege zu gehen, ist es üblich, daß der Bräutigam hinter der geschlossenen Tür den Gästen ein festes Versprechen macht, damit sie aufhören. Meistens verlangen diese so und so viele Hühner oder so und so viel Haria und drohen den Eingeschlossenen, falls sie diese Ablösung nicht bewilligen, sie durch das Verbrennen von Schoten noch weiter zu belästigen; sie haben auf der anderen Seite aber auch die Verpflichtung, ihre Ansprüche nicht zu hoch zu stellen, in Anbetracht der Tatsache, daß der junge Mann durch die Hochzeit schon genug Unkosten gehabt hat. Nachdem das Eß- und Trinkgelage die ganze Nacht hindurch angedauert hat, brechen die Gäste bei Morgengrauen auf. Damit endigen die Hochzeitsfeierlichkeiten, die im großen und ganzen bei allen Stämmen ziemlich die gleichen sind, aber in ihren Einzelheiten wohl manchmal voneinander abweichen. Gemeinsam sind ihnen aber stets das Gelage, der Tanz und das Auftragen von Sindur auf die Stirn.
Phot. F. B. Bradley-Birt.
Abb. 236. Szene vom Churuk Puja, dem Hakenschwingfest.
Phot. Sohanlal Bros.
Abb. 237. Churahitänze der Tschamba.
Bei einer Mundahochzeit ist eine Szene ganz besonders ansprechend. Die Braut geht mit einer Kanne an einen nahe gelegenen Brunnen oder Fluß, füllt sie hier bis an den Rand, hebt sie auf den Kopf und stützt sie auf ihm mit der Hand. Der Bräutigam folgt ihr auf dem Rückweg und schießt einen Pfeil durch das Loch, das ihr nach oben gerichteter Arm mit der Kanne bildet. Die Braut geht dann weiter bis zu der Stelle, wo der Pfeil hingefallen ist, und nimmt ihn mit dem Fuße auf, wobei sie ihre Kanne auf dem Kopfe ruhig weiter balanciert; mit Anmut befördert sie sodann den Pfeil in ihre Hand und überreicht ihn dem Bräutigam, wodurch sie andeuten will, daß sie ihre häuslichen Pflichten gut mit Hand und Fuß in seinem Interesse erfüllen kann. Auf der anderen Seite will der Bräutigam durch seinen Pfeilschuß anzeigen, daß er imstande ist, seine Frau zu beschützen und jedwede Gefahr von ihr abzuwenden.
Für die Santal ist nachzutragen, daß sie für die Festsetzung des Datums des Hochzeitstages sich eines eigenartigen Kalenders bedienen. Sie schürzen eine Anzahl Knoten, die der Zahl der bis dahin noch vorhandenen Tage entspricht, in das Ende einer Schnur und versenden eine ebensolche bei der Einladung an die Hochzeitsgäste; an jedem Morgen wird ein Knoten gelöst, und wenn der letzte an die Reihe gekommen ist, dann wissen alle, daß der Hochzeitstag anbricht.