Die Toten der Naga werden zunächst nicht beerdigt, sondern fünf bis sechs Tage im Hause behalten, hierauf mittels eines Feuers tüchtig angeräuchert. Um den Verwesungsgeruch etwas erträglicher zu machen, zünden die Angehörigen auch vor dem Hause ein Feuer an; hier bauen sie auch alle Habseligkeiten des Verstorbenen, seine Waffen, Schmucksachen, Jagdbeute, in früheren Zeiten auch die erbeuteten Köpfe der Feinde auf. Ist der Räucherung Genüge geschehen, dann wird der meistens schon in Verwesung übergegangene Leichnam ohne besondere Feierlichkeit auf den Begräbnisplatz vor dem Dorfe getragen und hier, mit Flechtwerk und gespaltenen Bambusstangen wie ein Wickelkind fest eingewickelt, auf einer aus Bambuspfählen aufgebauten Plattform, dem sogenannten Majan, ausgesetzt, wo er auf seine Auferstehung warten muß. Über dem Toten wird dann noch ein kleines Strohdach errichtet und an der Begräbnisstelle sämtliche äußeren Abzeichen des Verstorbenen aufgehängt. War er ein großer Krieger, dann bilden diese ausgestellten Gegenstände wegen ihrer großen Anzahl gleichsam ein kleines Museum; sie werden aber nicht in Natura aufgehängt, sondern in Miniaturnachahmungen. — Stirbt ein Krieger eines natürlichen Todes, dann muß sein nächster männlicher Verwandter mit einem Speere die Leiche verwunden, damit sie bei ihrem Erscheinen im Jenseits mit dem gleichen Kriegergruß empfangen werde wie jemand, der im Kampfe fiel.

Phot. Captain F. M. Bailey.

Abb. 256. Ein Mishmikrieger.

Bei einer Frau wird nur ein schwarzes Tuch neben die Leiche gelegt und ein Korb voll Reis über sie gestülpt. Außerdem pflegt man daneben den Korb, in dem sie ihre Lasten trug, den Reismörser, in dem sie das Mehl für den Tagesbedarf stampfte, sowie ihre Webestöcke zu legen. Stirbt eine Frau im Wochenbett oder überhaupt eine Person infolge eines Unglücksfalles (Tötung durch ein wildes Tier, Ertrinken oder Fall von einem Baume), dann muß der Tote an der Stelle begraben werden, wo das Unglück geschah. Sobald die Beerdigung stattgefunden hat, werden die Häuser der Verunglückten von ihren Angehörigen abgebrochen, die bewegliche Habe bleibt liegen, das Vieh wird frei und herrenlos laufen gelassen, wohin es will. Einige Stämme lassen in solchen Fällen sogar ihre Felder brach liegen und das Korn in den Speichern verfaulen, oder sie heimsen die Ernte gar nicht erst ein. Die Bewohner eines so zerstörten Unglückshauses begeben sich für einen Monat in den Dschungel; dann erst ist es ihnen erlaubt, unter ihre Stammesgenossen zurückzukehren.

Phot. Sven Hedin.

Abb. 257. Tänzer in den tibetischen Mysterien.

Sie tragen die Masken der Ogredämonen der buddhistischen Götterlehre. Im Vordergrunde sitzt ein Teufelstänzer.

Zentralasien.